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Radio Diospi Suyana

Ein unfreiwilliger Zuhörer

Gymnasium Petrinum

Reflektionen eines Studienrats aus Brilon

Die E-Mail erreichte mich am Vorabend: der Chef bat mich, für einen Vortrag in unserer Schulaula einen Oberstufen-Kurs freizustellen. Meine Reaktion: Ärger! Das war wieder typisch für ihn: Für Exkursionen oder Ideen aus der Lehrerschaft war er so gut wie gar nicht zu haben, aber wenn er sich was in den Kopf gesetzt hatte, dann musste das auch so passieren, wie ungerecht aus unserer Sicht das auch sein mochte…

Außerdem juckte es mir in den Fingern, hatte er doch schon ein halbes Jahr zuvor in der Schulzeitung von diesem Dr. John berichtet und seinen Beitrag mit den Worten geschlossen: “Im November wird Dr. John uns wieder besuchen. Dann sind unsere Schüler dabei!” Das reichte fast schon, um mich negativ gegen dieses Ansinnen zu stemmen. Sollte er doch selbst sehen, wen er in die Aula kriegte.

Zu meiner Schande sei es gesagt: der Chef sollte Recht behalten, meine Schüler waren dabei. (Vor allem aber, weil ich keine Lust auf Unterricht hatte). Und dann überstürzten sich die Ereignisse:

Nach der offiziellen Einführung durch den Schulleiter begrüßte uns eine unaufdringliche Stimme. Den Sprecher konnte ich erst nicht sehen, ich saß zu weit hinten, aber schon nach 2 Sätzen war nicht nur mein Widerstand gebrochen, sondern ich wusste sofort, wes Geistes Kind der Referent war: der Name “Paul White” war gefallen, Kindheitserinnerungen wurden wach, die Bücher aus dem R. Brockhaus Verlag, “Unter dem Buyubaum” – und ich wusste: das war kein frommer Bauernfänger, sondern einer, dem es um etwas ganz anderes ging als Parolendrescherei.

Sachlich berichtete der Referent über sein Vorhaben: es erinnerte mich an die Waisenhausarbeit, die einst Georg Müller in Bristol aufgebaut hatte. Mit nichts in der Hand als seinen Glauben und Vertrauen hatte jener ein Waisenhaus errichtet, und oft wusste er nicht, wie er die ihm anvertrauten Kinder am nächsten Morgen satt machen sollte. Und doch: auf wundersame Weise gelang es. Dr. John und seine Frau bauten ein Krankenhaus in Peru ohne Geldmittel – im Vertrauen auf Gott! Und was sie dann erlebten, war ja keine Spinnerei, sondern führte zur festen Gewissheit: hier sitzt der lebendige Gott am Hebel. Ich fühlte mich zurückversetzt in jene Zeit, als ich als kleiner Junge den Vorträgen der Missionare der Liebenzeller oder Marburger Mission lauschte.

Gewohnt, mich stets selbstkritisch zu hinterfragen, riss ich mich zusammen und flüchtete mich in meinen theologisch-wissenschaftlichen Zynismus. Hatten die Bekehrungsprediger von einst mich nicht durch ihre unglaubwürdige Spannung von Botschaft und Leben eines Besseren belehrt? In Gedanken diskutierte ich bereits mit all jenen, die mich gedanklich schon dem Satan übergeben hatten… Aber – nichts von meinen Befürchtungen geschah: keine zündende Bekehrungspredigt, kein Aufruf zur Übergabe, kein gedanklich-seelischer Zwang.

Natürlich hat mich die Arbeit berührt: “Diospi Suyana” – “Wir vertrauen Gott!” Was für ein Motto: schlicht, einfach, aber jeder weiß, woran er ist! Nicht St. Franziskus oder J. Comenius oder wer auch immer: Gott!

Ich mache es kurz: Widerstand war zwecklos! Mehrfach versuchte ich mir verstohlen (damit die Schüler das nicht sahen) die Tränen aus den Augen zu wischen.

Die Engel in den Bergen! In der Tat: an jenem Tag sind die Engel schon unterwegs gewesen, keinesfalls nur in den Bergen Perus, sondern zu mir in meine Stadt. Das Krankenhaus in Peru heilt nicht nur körperlich und nicht nur in Peru, sondern auch in Deutschland. Seit jenem Dienstag nehme ich mir – wo immer ich kann – wieder die Zeit zum Bibellesen und Gebet. Alte Wunden heilen! Ich danke Gott und Ihnen dafür – und auch meinem Chef!

Ihr Thomas Albrecht

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