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Radio Diospi Suyana

Diesem Typen war nicht mehr zu helfen!

Oder doch? – Die ergreifende Geschichte von Marco Bierke

Marco Bierke (35) arbeitet als Chefkoch am Hospital Diospi Suyana. Er ist mit der Peruanerin Vannia verheiratet. Die beiden haben zwei goldige Kinder, Max (6) und Runa (4). Der Weg von Marco in die Mission mutet schier unglaublich an.

1984 erblickte er in Jonsdorf im Osten Sachsens das Licht der Welt. Er wuchs in einer Oberlausitzer Familie auf. Zu Hause wurde hart gearbeitet und gern getrunken. Gelegentlich auch mal einen zu viel. Der Glaube war in dieser DDR-Familie absolut kein Thema.

Mit 12 Jahren machte Marco seinen ersten Vollrausch durch. Als seine Eltern sich zwei Jahre später scheiden ließen, sah er den Tag der großen Freiheit gekommen. Auf Schule hatte er keinen Bock und unterordnen mochte er sich erst recht nicht. Die Noten waren dementsprechend und er musste das Gymnasium verlassen. Doch auch an der Realschule entdeckte er keine Liebe zum Lernen. Stattdessen hing er mit Freunden herum und steigerte seinen Alkoholkonsum.

Sein Vater wurde beruflich nach München versetzt und mit seiner Stiefmutter gab es zu Hause fortwährend Streitereien. Wo gehörte er eigentlich hin? Marco tauchte mehr und mehr in die rechtsradikale Szene ein. Schlägereien, Sachbeschädigungen und Diebstähle bestimmten seinen Alltag. Er brauchte einfach Geld. Das Fachwort hieß: Beschaffungskriminalität. Also beklaute er auch seine Familienangehörigen. Skrupel hatte er keine und ein schlechtes Gewissen auch nicht.

Mit 16 Jahren begann er in Ihringen bei Freiburg seine Ausbildung zum Koch. Doch keine zwei Wochen später warf ihn der Vermieter raus. Das Motiv: Alkoholkonsum und schlechtes Betragen.

Er fand bei einer 90-jährigen Dame unter dem Dach eine neue Bleibe. Doch auch dieses Mietverhältnis endete schnell. Marco war eingeschlafen, während die Schnittchen noch im Ofen waren. Das gesamte Haus stand im Qualm und die ältere Dame bekam Angst, er würde das Haus abbrennen. Nachdem er wegen Alkohol und Haschisch auch das Berufsschulinternat verlassen musste, war es an der Zeit weiter zu ziehen. Marco brach seine Ausbildung ab.

Es folgte ein kurzer Aufenthalt bei seinem Vater in München. Und dann ein erneuter beruflicher Anlauf. Er zog bei seiner Mutter ein und versuchte eine zweite Lehre zum Koch. Doch die alte Leier ging weiter. Alkohol, Haschisch und unsoziales Verhalten. Das Ende war abzusehen. Und einmal mehr stieg Marco aus.

2003 meldete er sich bei der Bundeswehr und wurde einer Einheit von Gebirgsjägern in Schleeberg zugeordnet. Bevor er zum Obergefreiten ernannt werden sollte, flog er hochkant aus der Kaserne. Sein Delikt: Kiffen.

Also wieder nach Jonsdorf. Gelegentlich ließ er sich bei diversen Förderprogrammen des Arbeitsamtes blicken. Doch sein Hauptaugenmerk galt den Drogen. Alkohol, Haschisch, Kokain und Ecstasy. Und das größte der Gefühle: Crystal Meth. Schon nach der ersten Dosis war er voll abhängig.

Im Jahr 2005 erhielt er einen Praktikumsplatz beim Penny in Olbersdorf. Es war ein Tag im August. Nach der Arbeit ging er zu einem Kumpel um gemeinsam einen Joint zu rauchen. Doch auf dem Heimweg im Bus wurde es unerwartet spannend.

In seinem Kopf hört er Stimmen. Es ist ein Kampf zwischen Gut und Böse. „Geh zum Arzt“, sagt die eine Stimme. „Lass doch den Blödsinn“, antwortete die andere. „Bei deinem Lebensstiel brauchst Du dringend einen Aidstest!“ – Was soll der Scheiß, bleib cool Junge!“ Marco lauscht dem Dialog wie ein unbeteiligter Zuhörer. So etwas ist ihm noch nie passiert. Dabei ist er doch ziemlich klar in der Birne.

Daheim in seinem Zimmer kommt es plötzlich zu einer Begegnung, die seinem Leben eine völlig neue Richtung geben wird.

Gott spricht zu ihm wie ein gewaltiger Donner.

Bisher spielte Gott in seinem Leben überhaupt keine Rolle. Wahrscheinlich existierte der ohnehin nicht. Nicht einen Gedanken hatte er zuvor an den da oben verschwendet. Doch jetzt spricht der Allmächtig zu ihm. Deutlich und unmissverständlich. Marco kann seinem Gegenüber nicht entkommen. Es ist als wenn das gesamte Universum mit all seiner Macht vor ihm stehen würde.  Er fühlt sich unendlich klein. Ein tiefes Gefühl der Ehrfurcht bemächtigt sich seines Herzens.

„Gehe zu Deiner Oma und sage ihr, dass du ab jetzt an Gott glaubst!“ Diese Aufforderung ergibt einen gewissen Sinn, denn seine Oma ist überzeugte Christin, die seit Jahren für ihren Enkelsohn betet. Aber Marco zögert.

Gott stellt ihn vor die Entscheidung. Marco kann wählen zwischen Leben und Tod: “Entweder du gehst jetzt zu deiner Oma und sagst ihr, dass du an Gott glaubst und du wirst leben, oder du legst dich ins Bett, gehst schlafen und wirst sterben!”

Gott spricht mit einer Autorität, die Marco so noch nie erfahren hat.

„Aber meine Oma wird mir doch überhaupt nicht glauben!“

„Sage ihr „Ich bin, der ich bin“ schickt dich zu ihr!“

Marco gehorcht und steigt die Treppen ins Obergeschoss.

„Oma, ich muss mit dir reden“, ruft er. – „Nein, du kriegst kein Geld“, schallt es umgehend zurück.

„Ich soll Dir von Gott aus sagen, dass ich an Gott glaube!“

Seine Oma schweigt. Sie ist fassungslos. –  „Ich soll Dir von Gott sagen – Ich bin, der ich bin!“

Dieser Ausdruck aus dem Alten Testament gehört nicht zu Marcos Vokabular und er hatte ihn außer vor fünf Minuten auch noch nie gehört. Aber seine Oma ahnt sofort, was vor sich geht.

Sie spricht ihrem Enkel ein Gebet vor. Und Marco spricht es nach. Wort für Wort. Es geht um Vergebung und Übergabe. Um Nachfolge und Gehorsam.

Als Marco am nächsten Morgen aufwacht, ist er voller Freude. Er schäumt geradezu über. Er spürt die Gegenwart Gottes und fühlt sich geliebt und geborgen.

Fast 15 Jahre sind seit jenem Erlebnis vergangen. Es wurde für Marco noch ein langer Weg raus aus den Drogen und raus aus einem kriminellen Freundeskreis. Aufstehen und hinfallen. Gute Ansätze und dann wieder ein temporäres Scheitern. Doch die Weichenstellung war getroffen. Und auf dem Weg der Nachfolge hatte er nun eine wichtige Orientierung. Sein Gewissen. Früher kannte er weder ein gutes noch ein schlechtes. Doch nach der Erfahrung mit Gott meldete sich sein Gewissen regelmäßig und half ihm immer öfter richtige Entscheidungen zu fällen.

Wer dem sympathischen Mann gegenübersitzt, möchte diese Geschichte kaum glauben. Treu und gewissenhaft bereitet Marco das Essen für die Krankenhausbelegschaft vor. Er liebt seine Kinder heiß und innig und geht mit seiner Frau den Weg, den Gott für sie vorbereitet hat.

Vom Kriminellen zum Missionar. Vom Drogenabhängigen zum freien Menschen. Gott machte es möglich, als er sagte: „Geh nach oben zu deiner Oma und du wirst leben!”

Seine Menues schmecken vorzüglich.
2 Kommentare
  1. DocDag

    Ich glaube, das Gott Menschen rettet, auch wenn sie in den Augen der Menschen oder von sich selbst längst verloren schienen. Gott ist nicht unmöglich. (Selbst auch dass Beatmungsgeräte zu diesen Zeiten über mehrere wacklige Stationen ihr Ziel erreichen.)

  2. Mathias Bosch

    Ein sehr beeindruckendes Zeugnis! Vielen Dank dafür und Grüße aus der Heimat!