Eine geile Party

Mene mene tekel u-pharsin

1) Um 550 vor Christus: Heute ist am babylonischen Königshof viel los. Der Regent Belsazar gibt ein Gastmahl und der Festsaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Erlesene Speisen und die besten Weine stehen auf den gedeckten Tischen. Mit vorgerückter Stunde steigt der Alkoholspiegel.

Belsazar lässt die Utensilien aus dem Jerusalemer Tempel herbringen. Es handelt sich um heilige Gefäße, die bis zur Eroberung des Königreichs Juda in den dortigen Gottesdiensten Verwendung gefunden hatten. Nun will er mit seinem Hofstaat aus diesen Kelchen trinken und die Promille nach oben drücken.

Die Stimmung wird ausgelassener und der Lärmpegel lauter. Halbnackte Tänzerinnen heizen die geile Show so richtig an. Heute lassen sie die Sau raus. Ballermann und Layla. Eine einzige Orgie durch die Nacht.

Urplötzlich geht ein fröstelnder Hauch durch die Halle. Das Singen und Gekreische kommen zu einem jähen Ende. An der Wand ist nämlich soeben eine leuchtende Hand erschienen, die mit dem Finger schreibt: “Mene, mene tekel u-pharsin!” Niemand weiß, was diese geheimnisvollen Worte bedeuten, aber die Ahnung macht sich breit, dass sich nahes Unheil abzeichnet. – Der Prophet Daniel wird gerufen und legt die Schrift aus: “Gott hat dein Königtum gezählt und beendet. Du wurdest gewogen und für zu leicht gefunden. Dein Reich wird geteilt und den Medern und Persern gegeben!”

2) Es ist gut 50 Jahre her. Ich saß im Kindergottesdienst einer Wiesbadener Kirchengemeinde. Der Leiter G. Plass erzählte, was er auf einer Betriebsweihnachtsfeier erlebt hatte. Es war feuchtfröhlich zugegangen. Anzügliche Witze und enthemmtes Lachen. Dann wurde es blasphemisch. “Ich habe innerlich mit mir gekämpft. Schließlich gab ich mir einen Ruck und stand auf. “Liebe Kolleginnen und Kollegen”, sagte ich, “ich bin Christ und es gibt Dinge, die sind mir heilig!”

Fast alles, was ich damals in den Kindergottesdiensten gelernt habe, ist längst vergessen. Aber diese Szene nicht. Der Mut eines Mannes für seinen Glauben einzutreten und nicht zuzulassen, dass man ihn in den Dreck zieht.

3) Freunde von uns besuchten unlängst ein Theaterstück im Rhein-Main-Gebiet. Eine warme Sommernacht. Ein volles Haus. Natürlich openair. Ein erwartungsvolles Publikum. Das Stück “Sister Act” kennen wir alle aus dem Film. Doch der Regisseur hatte die Inhalte, die mit Kirche, Gott und Glauben zu tun hatten, ins Lächerliche gezogen.

Bei Diospi Suyana arbeiten wir für die Notleidenden der peruanischen Gesellschaft, weil wir an jemanden glauben, der weit über uns steht. Gott. Er ist uns heilig. Er gibt uns die Kraft zum Leben und die Hoffnung auf eine Zukunft. Weil er lebt, finden wir den Mut die Herausforderungen von morgen zu meistern. Und genau davon singt der West Coast Choir. Wir empfehlen, die englischen Untertitel zu aktivieren.

Wenn uns nichts mehr heilig ist, dann wird der Heilige uns in der Not auch nicht mehr halten. Dann bleibt nur noch der Abgrund. /KDJ (Bild oben von Rembrandt um 1635: Das Gastmahl des Belsazar)