
Edgardo Garcia und seine Frau Jahaira Claudio
Edgardo und Jahaira wissen, was harte Arbeit ist. Sie haben ein Altenheim mit medizinischer Betreung gegründet und ihr Unternehmen blüht im wahrsten Sinne des Wortes. Die Unternehmerfamilie steckt ihre ganzen Kräfte in dieses Projekt. Es sichert ihren Lebensunterhalt, ist aber auch Ausdruck ihres praktizierten christlichen Glaubens. „Natürlich mussten wir Tag und Nacht arbeiten, aber es lief bei uns alles wie ein Schweizer Uhrwerk. Es ging stetig voran!“ Edgardo erinnert sich und seine Frau nickt.
Kommt der 19. September 2017. Am Morgen vernimmt der Entrepreneur unvermittel eine hörbare Stimme „Evakuiere alle!“ Was war das eben, fragt sich Edgardo. Natürlich nähert sich ein Hurrikan der Insel. Aber die Wirbelstürme kommen und gehen. So war das schon seit Menschengedenken. Das Altenheim ist solide gebaut und sollte doch äußere Krafteinwirkungen gut überstehen. Der überzeugte Christ kniet nieder und bittet Gott um den richtigen Weg.
Die innere Gewißheit sagt ihm, es ist Zeit zum Handeln. Also werden die über 100 Heiminsassen in sichere Unterkünfte gebracht, die der Staat für Gefahren jedweder Art zur Verfügung stellt. Nun heißt es abwarten.
Der Hurrikan Maria gewinnt im Laufe seines erratischen Kurs eine Stärke von 5 und trifft am 20. September 2017 in Puerto Rico auf Land. Windgeschwindigkeiten von über 250 km/h und ein stundenlanger Starkregen führen zu einer monumentalen Zerstörung.
Die apokalyptische Wucht fegt das Dach des Altenheimes wie Papier mit sich fort. Der Wasserspiegel steigt von Minute zu Minute. Durch die Überschwemmung wird die untere Etage des Gebäudes unter Wasser gesetzt. Das Ergebnis ist der Totalschaden einer großen Pflegeeinrichtung. Edgardo und Jahaira verlieren in wenigen Stunden, was sie mühsam über Jahre aufgebaut haben. Der Verlust für die Familie liegt in Millionenhöhe. Für die Garcias ein Supergau und ein Wendepunkt in ihrem Leben.
Als der Sturm schließlich weiterzieht, beklagt das Land über 3000 Tote. So geht der Tag als eine der größten Naturkatastophen in die Geschichte der Vereinigten Staaten ein, zu denen Puerto Rico seit 1898 als äußeres Territorium gehört.
Edgardo und Jahaira müssen die Hiobsmeldung verarbeiten. Obwohl sie nun bei Null anfangen, haben sie ihren Glauben nicht verloren. „Die Tragödie hat aus mir einen ganz anderen Menschen gemacht. Jetzt fühle ich mit anderen viel besser mit!“ Edgardo beschreibt seine Entwicklung ohne Bitterkeit und Enttäuschung. Seine Frau lacht und pflichtet ihm bei. „Natürlich mussten wir durch lange Nächte voller Sorgen und Angst, aber wir haben uns an Gott geklammert!“ Die Puertoricanerin spricht sachlich und ohne aufgesetzte Theatralik.
Wie hätte ich auf so einen Verlust meiner Lebensgrundlage reagiert? Ich weiß es nicht. Aber für eines stehen die Garcias wie ein Fels im Wirbelsturm. Auch in der größten Not spendet der Glaube an Gott Trost und Halt. Ein Atheist mag diese Hoffnung auf Gott als einen zerbrechlichen Strohhalm bezeichnen. Aber wenn wir die Treue und Realität des Allerhöchsten über Jahre erfahren, können wir vielleicht auch mit Hiob sagen: „Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen. Der Name des Herrn sei gelobt!“ Die Position ergibt für mich deshalb einen Sinn, weil Gott auch unsere Zukunft im Himmel in seinen Händen hält. Und in Anbetracht der Ewigkeit wird das persönliche Leid hier auf Erden leichter erträglich.
So kann ich nicht anders, als Edgardo und Jahaira für ihre innere Festigkeit zu gratulieren. Sie sind für mich ein Vorbild durch und durch. Ich merke, dass ich von ihnen viel lernen kann. /KDJ












