Abenteuer Lagerhalle: Eine Journalistin berichtet

Ein Hospital für die Nachfahren der Inkas

Nächstenliebe: Schenck-Technologiepark unterstützt uneigennützig ein Arztehepaar

Am Anfang stand eine Vision: ein Krankenhausneubau mit rotem Dach und Hubschrauber-Landeplatz in einer der ärmsten Regionen von Peru. Im Frühjahr hat das 55-Betten-Haus tatsächlich Gestalt angenommen – dazu haben Mitarbeiter der Darmstädter Schenck Technologie- und Industriepark GmbH nicht unwesentlich beigetragen.

Mit der Konkretisierung ihres Luftschlosses fingen der Wiesbadener Chirurg Klaus-Dieter John und seine Frau Martina, eine Kinderärztin, ganz klein und bescheiden an, getrieben von christlicher Nächstenliebe und dem Wunsch, den Indios in den Bergregionen Apurimac und Ayacucho zu helfen. Im August 2002 gründeten sie mit gleichgesinnten Christen die karitative Vereinigung Diospi Suyana, um Geld- und Sachmittel für ein überkonfessionelles Missionsspital für die Quechua-Indianer im Hochland von Peru aufzutreiben. Diospi Suyana stammt aus der Quechua-Sprache und bedeutet: „Wir vertrauen auf Gott.“

Auf gut Glück fragte Klaus-Dieter John vor zwei Jahren bei der Darmstädter Firma an, ob sie ihm kostenlos eine etwa 200 Quadratmeter große Halle in der Landwehrstraße überlassen könne. Er brauche sie „nur ein halbes Jahr lang“ zur Zwischenlagerung von medizinischem Gerät, das er aus allen Teilen der Bundesrepublik, aus Belgien und der Schweiz für sein Krankenhausprojekt erbettelt hatte. Kein Problem, sagte Geschäftsführer Karl-Heinz Pfuhl, beeindruckt vom Engagement und der Redegewalt des Wiesbadeners.

Das Schenck-Gelände wird von der GmbH als Technologiepark vermarktet, es stehen 140 000 Quadratmeter Fläche an Hallen und Büros zur Verfügung. Rund 50 Firmen, von denen die meisten keine Schenck-Ableger sind, nutzen derzeit Räume und Dienstleistungen.

Doch aus den 200 Quadratmeter Lagerfläche wurden nach und nach 2000 Quadratmeter. Denn dank der großen Überzeugungskraft des Chirurgen wurden immer mehr ausrangierte Krankenhausbetten, Zahnarztstühle, Inkubatoren, Notstromaggregate und sogar eine Photovoltaikanlage angeliefert.

Die Sachspenden mussten mehrfach umgeräumt und schließlich in Container verladen werden: zwölf Meter lange, 2,45 Meter breite und 2,40 Meter hohe Transportbehälter. Sieben solcher Container sind inzwischen nach Südamerika verschifft worden, der achte und letzte folgt im Mai. Gesamtwert der gespendeten Waren: rund 1,2 Millionen Euro. Klaus-Dieter John begeisterte mit seinem Konzept nicht nur Geschäftsführer Pfuhl, sondern auch Logistikchef Richard Heisel und seine Mitarbeiter. An mehreren Samstagen – also in ihrer Freizeit – machten sie die Güter transportfähig. Das Verpackungsmaterial wurde gespendet – rund 30 000 Euro Materialwert. Hinzu kommt die Verpackungsleistung, weitere geschenkte 10 000 Euro.

Warum gerade Peru? Das Ehepaar John hat schon fünf Jahre lang in Ecuador Indianer und Mestizen medizinisch versorgt und weiß, welche Probleme sie im Andenland Peru erwarten. Die Quechuas, Nachfahren der Inkas, leben in bitterer Armut und sind medizinisch unterversorgt: In der Bergregion Apurimac, dem Armenhaus Perus, kommen 2,8 Ärzte auf 10 000 Menschen – in Deutschland sind es 33.

Die Indios leiden an Tuberkulose, Wurmerkrankungen und den Folgen von Mangelernährung. Kinder fallen häufig in offene Feuer und ziehen sich Hautverbrennungen zu. Im Drei-Autostunden-Umkreis des Missionsspitals leben rund 750 000 Menschen.

Die Schenck Technologie- und Industriepark GmbH wird das Missionsspital weiterhin einmal im Jahr an Weihnachten mit einer Geldspende unterstützen. Geschäftsführer Pfuhl hat von der nach Peru umgezogenen Familie John als Dankeschön für die Bereitstellung der Lagerflächen eine Einladung ins Andenland bekommen. „Wir sind stolz darauf, dass wir einen kleinen Baustein dazu beitragen konnten“, sagt Pfuhl. Vielleicht hat er schon im Herbst Gelegenheit, die Verwirklichung der Vision zu besichtigen.

Informationen über das Hospital sind im Internet unter der Adresse www.diospi-suyana.org zu finden.

Petra Neumann-Prystaj

13.4.2007