Why should the devil have all the good music?


1979 auf den Wiesen Cornwalls

Als ein Frankfurter Kumpel eine Gruppe von Jugendlichen um sich scharte, waren wir dabei. Unsere Rucksäcke packten wir hinten in den Kofferraum meines R4 und zwei Freunde auf die Rückbank. Vorne auf dem Beifahrersitz saß mein Highschool Sweetheart Tina. Wir fuhren 15 Stunden durch Belgien und Südengland – nur unterbrochen durch die Überfahrt an Bord – und bauten in der Dunkelheit unsere Zelte auf.

Das Greenbelt-Festival 1979 sollte bei uns einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Tausende Jugendliche aus vielen Ländern mit Rockmusik, aber ohne Schnapsleichen und Drogentote. Dafür aber Lebenszeuge von Ex-Junkies über die Kraft Jesu Christi, Diskussionsrunden über soziales Engagement von Christen und der Wunsch zu einer friedlichen Welt beizutragen.

Tagsüber genossen wir im Gras die Sonne oder saßen in einem der vielen Workshops. Nachts hüpften wir mit 17.000 anderen vor der Main Stage zu den Rockklängen englischer und US-amerikanischer Bands. Die New Wave Gruppe „After the Fire“ hatte einige Monate zuvor mit ihrem Hit „Laser Love“ in den englischen Charts für große Beachtung gesorgt. Aus den USA spielten sich Randy Stonehill und Larry Norman in die Herzen der Teenager und Twens. Letzterer hatte mit seinem Song „Why should the devil have all the good musik“ die Marschrichtung vorgegeben. Musik, egal welcher Genre – ist grundsätzlich neutral. Christen sollten Rockmusik einsetzen, um ihrem Glauben in der Generation der Blumenkinder Gehör zu verschaffen. Larry in schwarzem Lederdress und langen blonden Haaren kann rückblickend als der Vater des christlichen Rocks bezeichnet werden.

Die Musik ging in die Knochen und die Botschaft überzeugte: Gott verleiht unserem Leben einen tieferen Sinn. Seine Liebe ist die höchste Macht im Universum. – Rund um den Erdball schworen Hippies zuhauf den Drogen ab und wandten sich Jesus Christus zu. Ihre Bewegung nannte sich“Jesus People“.  Sie führte zur Gründung unzähliger Kirchengemeinden und brachte kaputte Familien wieder in Ordnung.

45 Jahre sind vergangen. Mein Sweetheart von damals wurde meine Frau. Und nach unserer langen beruflichen Ausbildung gründeten wir mit guten Freunden „Diospi Suyana“. Als im November 2005 Freiwillige die Terrassen für ein Amphitheater mauerten, dachten wir schon an christliche Festivals in Curahuasi.

Die Musik hat sich geändert – Südamerikaner stehen nicht auf Rock – aber die Bedeutung von Festivals ist geblieben. In dreieinhalb Monaten soll es wieder losgehen. Wir erwarten 4000 Jugendliche, von denen sich fast die Hälfte schon angemeldet hat. Unsere Zeltstädte werden besser organisiert sein als damals in Cornwall. Unsere Toilettenanlagen rufen keinen Ekel hervor. Und unsere LED-Scheinwerfer an den vielen Traversen haben mit der primitiven Konzerttechnik von einst nichts mehr zu tun. Unsere Soundanlage im Amphitheater erinnert oft eher an eine perfekten Studiosound. Doch die Fragen der Teilnehmer sind die selben. „Warum bin ich auf diesem Planeten?“, „Wer verleiht meinem Leben eine solide Grundlage und Liebe?“.

Wenn Sie auf das folgende Bild klicken, sind Sie sofort mittendrin: Greenbelt 1979. Und falls Sie einen kleinen roten R4 sehen sollten, ist das wohl unserer.

Vor 45 Jahren, aber mir kommt es so vor, als wäre es erst gestern gewesen.

Und nun hören Sie „Why should the devil have all the good music“. Gesungen von Cliff Richard im Jahr 1979. Auch Cliff war beim Greenbelt Festival dabei.

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