
Unverblümt ehrlich
Vor 47 Jahren war ich das letzte Mal in einer Tanzschule. Also ist es Zeit für eine kleine Auffrischung. Und die ADTV-Tanzschule „Balance“ im Waldstadt Center zu Potsdam bietet sich als Adresse förmlich an. Ich steige die Stufen nach oben. Mich erwartet eine echte Clubatmosphäre mit Sitzgruppen entlang der Wände und einer Tanzfläche im Zentrum unter einer Batterie von LED-Strahlern. Als ich meine Bücher auf einem Tisch im Vorraum ablege, übe ich schon einmal den Hüftschwung. Ob ich allerdings heute auf dem Parkett meine rhytmischen Talente unter Beweis stellen kann (wer’s glaubt), wird sich zeigen. Erst einmal feiern wir an dieser Stelle um 11 Uhr einen Gottesdienst in der „erlebt-Gemeinde“. Der Name bezieht sich auf den Gründer, von dem viele meinen, dass er lebe, obwohl er vor rund 2000 Jahren zur Ruhe gebettet wurde. Ein echtes Kontrastprogramm zum Bestattungsinstitut keine 100 m entfernt. Nach den Beerdigungen von Deutschmann ist bisher noch keiner aus seinem Grab geklettert.
Nach zwei Liedern bin ich an der Reihe. Ich blicke kurz in die Runde. Zwischen 70 und 80 Leuten schauen mich erwartungsvoll an. Also lege ich los. Mein Vortrag scheint die Auffassung zu bestätigen, dass Er tatsächlich lebt. Das ist starker Tobak. Ob es für diese gewagte These möglicherweise weitere Anhaltspunkte geben könnte?
Diese Indizen finde ich wirklich am Ende der Veranstaltung, als ich mit Maximilian, Jens und seiner Frau Alva ins Gespräch komme. Max (29 Jahre in Bildmitte oben) erzählt mir brühwarm von seinem ungewöhnlichen Werdegang. „Ich befand mich in unmittelbarer Nähe des Ballermanns am Strand von Mallorca. Ich fühlte mich wie in einem inneren Kerker. Unfrei, hoffnungslos und verzweifelt. Als ich da stand – total desillusioniert, wurde ich von zwei jungen Mädchen angesprochen. Sie luden mich in einen Gottesdienst ein!“ – „Und bist Du ihnen gefolgt?“, möchte ich wissen. „Nein, erst nicht. Ich blieb und das Gefühl der inneren Leere machte sich sofort wieder breit. Es war unerträglich. Doch dann kamen zwei andere Mädchen vorbei und luden mich erneut in einen Gottesdienst ein. Diesmal ging ich mit!“
Es ist 13 Uhr und nebenan wird längst getanzt. Aber das, was ich hier höre, ist deutlich spannender. Also rede ich jetzt lieber mit Jens. Der 39-jährige Software-Ingenieur im beigen T’shirt (oben links) war überzeugter Atheist. Er stolperte von einer kaputten Beziehung in die nächste. Das Thema „Frauen“ hatte er in seinem Leben gründlich abgearbeitet und dann erreichte er kraftlos das Ende seiner Möglichkeiten. Unten am Nullpunkt angelangt wurde Selbstmord plötzlich eine reale Option. Doch dann wandte er sich in seiner Verzweiflung an einen von dem er gar nicht sicher war, ob er wirklich existierte. „Gott, wenn es Dich gibt, dann bringe mein Leben in Ordnung!“ – „Und hast Du eine Antwort erhalten?“, frage ich neugierig. „Ja, noch im gleichen Moment, spürte ich die die Nähe Gottes. Das war vor knapp 4 Jahren!“
Alva seine Frau ist in Südindien aufgewachsen. Wie ich höre, zählt ihre Familie zu den Thomaschristen. Thomas war der Skeptiker, der lauthals das formulierte, was Millionen von Menschen heute denken: „Entweder ich kann sehen, messen, fühlen und analysieren. Sonst glaube ich nie und nimmer, dass Jesus von den Toten auferstanden ist!“ Eine Woche später bot sich ihm diese besondere Gelegenheit. „Thomas, schaue Dir meine Nägelmale an und fühle mit der Hand in meiner Flanke die Stelle, wo ein römischer Soldat seinen Speer hineingestoßen hat!“ Das sagte ein gewisser Jesus Christus. Der chronische Zweifler untersuchte und glaubte. Heute gehören 7 Millionen Menschen zu den Thomaschristen in Indien.
Ich hoffe, Sie sind nicht enttäuscht, wenn ich Ihnen gestehe, dass ich gestern nicht mehr zum Tanzen kam. Ich habe stattdessen die tollsten Menschen getroffen und Geschichten aufgesaugt, die nicht von dieser Welt sind. In den Räumlichkeiten der Tanzschule „Balance“ haben schon viele ihr inneres Gleichgewicht gefunden. Weil Er lebt, haben Maximilian Bittner, Jens Mittelstädt und seine Frau Alva eine Lebensperspektive, die einzigartig ist. Auf jeden Fall war ich gestern tief beeindruckt. Wenn Sie im Berliner Raum leben sollten, kann ich Ihnen einen Abstecher zur Tanzschule „Balance“ in Potsdam absolut empfehlen. Vielleicht stellen auch Sie fest, dass Er wirklich lebt. Pastor Christoph Funk würde sich über Ihren Besuch sicherlich freuen. /KDJ















