
21. November 1835
Soeben hat Georg Müller ein Buch über das Lebenswerk von August Francke fertig gelesen, der in Halle im Vertrauen auf Gott ein Jahrhundert zuvor ein Waisenhaus geleitet hatte. Georg ist gepackt. Er fühlt tief im Herzen, dass die Gründung eines Kinderheims auch seine Lebensaufgabe ist. Auf den Straßen Bristols lungern sie in allen Ecken herum. Jungs und Mädchen ohne ein Dach über dem Kopf und ohne die Liebe ihrer Eltern, die der Tuberkulose und Diphtherie zum Opfer gefallen sind. In diese Stadt im Südwesten Englands hat es den gebürtigen Preußen verschlagen. Er macht sich ans Werk mit Zittern und Zagen und vor allem mit viel Gebet. Er hat noch keine Ahnung, dass er sich in seinem Leben um 10.000 heimatlose Kinder kümmern wird. Ohne in Zeitungen für sein Projekt um Geld zu bitten, wird er in den folgenden 50 Jahren umgerechnet 146 Millionen Euro erhalten. Diese Summe wird er nicht von Menschen erbetteln, sondern von Gott erbeten. Seine Heime, die heute das Bristol City College beherbergen, hießen damals Ashley Down. Kaum jemand in Bristol kennt noch die ursprüngliche Bedeutung dieser Gebäude, aber der Glaube von Georg Müller ist seit fast 200 Jahren ein Vorbild für Millionen von Christen.
21. November 1838
Die Kasse des Waisenhauses ist leer. Für das Abendessen der Kinder kann nichts eingekauft werden. Georg Müller und seine wenigen Mitarbeiter sitzen Mittags zusammen und beten um nichts Geringeres als ein Wunder. Nach diesem sorgenvollen Treffen macht Müller einen Spaziergang ins Grüne. Genau das Richtige, um bei all den Belastungen einmal tief durchzuatmen. Auf dem Weg zurück begegnet ihm ein Mann, der ihm unaufgefordert 5 Pfund in die Hand drückt. Das ist viel Geld, genug um ausreichend Lebensmittel für seine Schützlingen zu besorgen.
21. November 1839
Krisensitzung im Kinderheim. Das Geld reicht noch, um am nächsten Morgen für die Kinder ein Frühstück auf den Tisch zu bringen. Aber für das Mittagessen fehlen die erforderlichen Mittel. Die Mitarbeiter versammeln sich und beten. Am Abend zitiert Georg Müller in seinem Tagebuch Matthäus 6, 34: „Darum sorgt nicht für den anderen Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe!“ In der festen Zuversicht, dass Gott hört und weiß, schläft er ein.
Drei Stunden vor dem Mittagessen am nächsten Tag erhält das Waisenheim einige Sachspenden, die sofort durch Verkauf in Geld und anschließend in Lebensmittel umgetauscht werden.
21. November 2014
Mein Vortrag vor 230 Kindern der Presbyterien School in Housten, Texas ist zu Ende. Ich habe Diospi Suyana als ein Werk des Glaubens vorgestellt. Mit vielen Bildern habe ich gezeigt, dass in Curahuasi, Peru ein Krankenhaus und eine Schule entstanden sind, durch eine Verkettung von Fügungen und Gebetserhörungen.
Nun sollen die Kinder wieder in ihre Klassen gehen, aber eine Lehrerin eilt schnell nach vorne und sagt: „Was wir eben gesehen haben ist ein Wunder, lasst uns beten!“ 230 Ohrenpaare lauschen in die Stille. Doch die Lehrerin sagt ja gar nichts. Sie weint. Dann endet ihr Schluchzen mit einem „Amen“ und das Gebet ist zu Ende. /KDJ











