Eine überraschende Wendung

Der Freitag beginnt mit einer ziemlichen Katastrophe. Am Abend zuvor geht die Festplatte meines Laptop Computers kaputt und nun kämpfe ich gegen die Zeit. Um 12 Uhr habe ich einen Vortragstermin beim neuen deutschen Botschafter in Lima und am Nachmittag beim Chef einer Zeitung. Aber egal wie mies die Lage aussieht, ich lege den Tag bewußt in Gottes Hand.

Mit einem Bekannten mache ich mich am Morgen auf den Weg durch Lima. Es dauert nicht lange und alle Hoffnungen sind zu nichte. Keiner kann auf die Schnelle die Festplatte reparieren und einen Ersatzlaptop will niemand herausrücken.

Geistig habe ich schon längst aufgegeben. Heute werde ich vielleicht viele Hände schütteln, aber sicherlich keine Bilder vom Hospital Diospi Suyana im Computer zeigen. Ein Tag voller verpasster Gelegenheiten zeichnet sich ab.

Mein peruanischer Wegbegleiter wühlt im Telefonbuch, tatsächlich scheint es eine Firma zu geben, die Laptops vermietet. Nichts wie hin.

“Welche Garantien können Sie uns anbieten,” fragt der Inhaber des Geschäfts.

Ich packe Dokumente aus, zeige den Artikel aus der Zeitschrift “Somos” über meine Familie und halte die Luft an. 33 USD Miete für den Tag und eine Angestellte soll mich zur deutschen Botschaft begleiten, um zu sehen, ob ich wirklich der bin für den ich mich ausgebe.

12:15 Mein Vortrag vor dem neuen deutschen Botschafter Dr. Christoph Müller beginnt. Ich merke sofort, er hat ein offenes Ohr für unsere Arbeit. Im anschließenden Gespräch höre ich so manchen guten Tipp. Deutlich ermutigt gehe ich in die zweite Tageshälfte.

13:30 Ich rufe im Gästehaus meine Emails ab. Eine Nachricht kommt von “Cedec Alto Andino”. “Wir werden Ihre Stahlbalken für die Dachkonstruktion des Spitals sponsern!” Ich mache innerlich einen gewaltigen Luftsprung, verbirgt sich hinter diesem simplen Satz doch eine Spende von 30 – 50.000 USD. Eine weitere Email läß mein Herz höher schlagen. Eine deutsche Wochenillustrierte kündigt eine vierseitige Reportage über Diospi Suyana an.

16:00 Vor mir sitzt Luciano C. Deliot und qualmt an seinen Zigarretten. Er ist der Herausgeber und Chefredakteur von “Mundo Minero”, eines Fachorgans für die Bergwerkgesellschaften Perus. Er stellt während meines Vortrages viele Fragen und ist offensichtlich in Eile. “Ich brauche morgen eine Zusammenfassung und Bilder in hoher Auflösung, dann kommt der Artikel noch in die jetzige Monatsausgabe herein!” Mir ist sofort klar, was das bedeutet. Ein positiver Artikel in diesem Magazin bringt uns in Industriekreisen in Peru sofort ins Gespräch. Ich bedanke mich artig und verabschiede mich in der Tür. “Sie haben mehr Leidenschaft als ein Peruaner”, meint ein Mitarbeiter der Zeitschrift und drückt aufmunternd meine Hand.

17:15 Mein Kreis schließt sich. Ich sitze wieder im Laden, wo ich heute morgen meinen Laptop geliehen habe. Noch eine allerletzte Tat. Ich halte meinen Vortrag vor dem Chef und seinen Mitarbeitern. Sie sind gepackt, alle Anrufe von Kunden werden mit dem Hinweis “Wir rufen zurück” abgeschmettert.

“Ich möchte gerne meine Leihgebühr bezahlen”, sage ich und zücke meinen Geldbeutel. “Nein, nein, auch wir wollen einen Beitrag zu Ihrem Projekt leisten”, sagt der Firmeninhaber Alberto Lostao und kommt sogleich ins grübeln, was er noch für uns tun könnte.

Eine Mitarbeiterin meldet sich nun zu Wort. “Meine Freunde arbeiten bei einem Radio in Lima. Ich habe denen heute mittag schon von Ihnen erzählt. Die wollen Sie gerne zu einem Interview einladen!”

Am Abend bin ich erschlagen aber glücklich. Einmal mehr wird mir klar, dass Gott aus Niederlagen Siege schmieden kann. Wußten Sie das schon?

Klaus-Dieter John