Bei den Toten zu Besuch

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Allerseelen in Curahuasi

Die wenigsten Menschen gehen gerne auf einen Friedhof. An den Gräbern vergießen wir Tränen und werden von melancholischen Gefühlen überwältigt. Und wer möchte schon an seinen eigenen Tod erinnert werden. Warum strömten also gestern so viele Curahuasinos zum Camposanto, wie sie ihren Gottesacker nennen? Der Grund war der Feiertag Allerseelen.

Der Brauch geht bis ins 12. Jahrhundert zurück, als die katholische Kirche das Konzept vom Fegefeuer entwickelte. Seit jener Zeit beten am 2. November die Hinterbliebenen für ihre verstorbenen Verwandten um Seelenfrieden. Dabei hoffen sie, den Aufenthalt ihrer Lieben in der Feuerglut abzukürzen.

Für das Fegefeuer finden sich in der Bibel keinerlei Anhaltspunkte. Wir sind gerettet alleine durch Gnade, diese Erkenntnis überzeugte Martin Luther vor 500 Jahren in gleicher Weise wie die ersten Christen vor 2000 Jahren. Vielleicht schafft es die katholische Kirche eines Tages sich von dieser düsteren Vorstellung ganz zu lösen. Es wäre ihr zu wünschen.

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Menschentrauben vor dem Friedhof und zwischen den Gräbern. Fotos von Udo Klemenz.
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