Aus der Perspektive des Himmels

Dienstagmorgen 2:30: Der Tag beginnt, in 50 Minuten wird mich ein Taxifahrer abholen und den langen Weg nach Cusco fahren. Ich will pünktlich um 7:25 den ersten Flug von Cuzco nach Lima erwischen.

Alles hat geklappt und ich blicke durch das Fenster der Maschine in die Tiefe. Da unten erkenne ich heute zum ersten Mal die Stadt Curahuasi. Ich meine sogar das Gelände des Hospitals Diospi Suyana auszumachen. Ich blicke auf eine überwältigende Bergwelt und freue mich an dieser Perspektive des Himmels.

11 Uhr: Ich betrete die Geschäftszentrale der Minengesellschaft „Cedec Alto Andino“.

Netterweise bietet man mir ein Handy an, damit ich während meiner drei Tage in Lima immer erreichbar bin. Nun erwartet mich ein Gespräch mit Dra. Inés Izaguirre. Sie unterrichtet mich, dass ich noch eine Resolution des Außenministers besorgen muss, damit die Firma den gesamten Stahl des Krankenhausdaches spenden kann. Uns ist beiden klar, dass sich so ein Procedere unter Umständen über Monate hinziehen kann. Am Ende des Gesprächs schaut mich die Rechtsanwältin viel sagend an: „Wenn Sie beten, schaffen Sie das in einer Woche!“.

Eigentlich muss ich gleich weiter, denn um 12:30 bin ich bei Herrn Schultze-Rhonhof zum Mittagessen eingeladen. Er ist eine graue Eminenz der peruanischen Oberklasse und kennt jeden. Aber ich will unbedingt dem Chef der Minengesellschaft noch freundlich „Guten Tag“ sagen. Also steige ich die Treppe eine Etage höher und warte im Vorzimmer. Die Zeit drängt und ich will schon los, da ruft mich Sr. Guido del Castillo doch noch in sein Büro.

„Klaus, wie geht’s, fragt er mich herzlich?“ „Gut, danke der Nachfrage,“ und bringe das Gespräch sofort auf das Wesentliche, „ich werde in dieser Woche versuchen, die Resolution des Außenministers anzubahnen!“

„Ach, das ist doch ein furchtbar langer Weg, weiß Du was, wir spenden den Stahl einfach ohne Resolution!“ Ich habe mich nicht verhört. Innerlich mache ich mal wieder einen Luftsprung zur Decke. Sr. Castillo steht am Telefon und bespricht mit einem Ingenieur ein Projekt, das ich gut kenne, das „Hospital Diospi Suyana“. Während ich lausche, bestellt er selbst höchstpersönlich den Stahl, der wie ich höre, in drei Wochen schon bereit sein soll.

Ich hole tief Luft, denn zum zweiten Mal werde ich mit der „Perspektive des Himmels“ konfrontiert. Anders kann ich mir das alles nicht erklären.

Verspätet treffe ich bei Herrn Schultze-Rhonhof zum Mittagessen ein. Seit 50 Jahren lebt und arbeitet dieser Deutsch-Peruaner in Peru. Während der Koch in der Küche ein leckeres Mahl zubereitet, informiert mich Herr Rhonhof, dass ich wohl in einer Woche dem Leiter des Sozialkomitees der Minengesellschaft „Extrata“ unser Krankenhausprojekt vorstellen kann.

Am Nachmittag muss ich wie so oft zur „Agencia Peruaner de Cooperación Internacional“, die die Aktivitäten der 450 Nichtregierungsorganisationen steuert. Am Abend bin ich bei Dr. Carlos Orellana und seiner Frau Eleonore eingeladen. Sie haben vor 1 ½ Jahren einen Zeitungsartikel über uns gelesen und mir mit vielen Emails immer wieder ihr Interesse an unserer Arbeit versichert.

Sie sind offensichtlich überglücklich, dass sie nun ganz persönlich über ein Projekt informiert werden, das mittlerweile Tausende fasziniert, das Missionsspital Diospi Suyana in einem Hochtal der südperuanischen Anden.

Der heutige Mittwoch verspricht ein buntes Programm:

9 Uhr: Besuch bei der Zeitschrift „Mundo Minero“, die in ihrer aktuellen Ausgabe auch einen Bericht über Diospi Suyana veröffentlicht.

11 Uhr: Vortrag vor dem Sozialkomitee der peruanischen Minengesellschaften

12:30 Uhr: Besuch bei Dr. Melitón Arce in Gesundheitsministerium. Ihm werde ich einen Bericht über die Fortschritte bei Diospi Suyana übergeben. Mein Schreiben ist bestimmt für die Gattin des peruanischen Präsidenten.

15:30 Uhr: Vortrag vor dem Besitzer der Firma Eberhardt, die unter anderem Kupferrohre für medizinische Gase vertreibt. Vielleicht gibt es nach dem Gespräch einen Preisnachlass.

Ich weiß nicht, wie der Tag ablaufen wird, aber ich bin sicher, dass Gott auch heute zu allen Gesprächen und Präsentationen seinen Segen schenken kann. Jedes Mal wenn ich in Lima von einem Ministerium zum anderen fahre, merke ich, dass es mehr gibt als ich sehen kann, nämlich die Perspektive des Himmels.