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Radio Diospi Suyana

Wien – Im Haus des Gebets

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Aber meistens kommen mehr

Die Straßen von Wien sind glücklicherweise leer. Vasile Gabrian, der Leiter des rumänischen Buchverlags “Casa Cartii”, fährt ohne Navigationsgerät und muss ständig auf seine ausgedruckten Karten blicken. Wird es zeitlich wieder einmal knapp werden? Glücklicherweise nein. Auf dem großen Gebäude rechter Hand steht “Haus des Gebets”.  Wir sind also da. In dieser rumänischen Kirchengemeinde werde ich gleich die Geschichte von Diospi Suyana erzählen.

Nun will ich vorne meinen Laptop verkabeln. Ich lasse mich von Richard einweisen. Er ist der Leiter des Musikteams. Wie er mir erzählt studiert er Medizin. “Wie viele Sitzplätze gibt es hier im Saal?”, frage ich den dynamischen Musiker. “Tausend”, sagt er beiläufig, “aber meistens kommen mehr. Die Leute stehen dann an den Seiten oder quetschen sich hier vorne auf die Stühle!”

Wie in vielen rumänischen Kirchen sitzen die Frauen auf der einen Seite und die Männer auf der anderen. Ich habe vorne bei den Pastoren Platz genommen und schaue mich ein wenig um. Ja in der Tat tausend Leute sind gekommen. Erstaunlich, scheint doch draußen die Sonne und so früh am Sonntag Morgen dürften die meisten Österreicher noch in ihren Betten liegen.

Der Gottesdienst hat um Neun Uhr begonnen. Lieder, Wortbeiträge und Grußworte wechseln sich ab. Um halb Elf werde ich nervös. “Vasile”, flüstere ich meinem Nachbarn zu, “man wird uns wohl nicht mehr als 15 Minuten einräumen!” – “Mach Dir keine Sorgen”, beruhigt mich der Rumäne, “der Gottesdienst dauert drei Stunden und geht bis um Zwölf Uhr!”

Um drei nach Elf stehen wir beide auf der Plattform. Ich spreche in kurzen Sätzen und Vasile übersetzt mich wie geölt. Er kennt die Geschichte von Diospi Suyana schon wie im Schlaf. Im November hat er sie 20 Mal in rumänischen Gemeinden und Schulen gehört. Jetzt im Mai ist es unser vierter Vortrag. Sechs weitere werden noch folgen, denn auf dieser Reise haben wir fünf Präsentationen in Österreich und fünf in Rumänien auf dem Programm.

Bethel Wien Chor
Richard (links) dirigiert das Musikteam. Der Musiker studiert Medizin und will demnächst noch Hebräisch lernen. Ohne Zweifel ein kluges Köpfchen.

Unser Vortrag dauert eine Stunde. Wie ich an den Gesichtern ablesen kann, bleiben die ganze Zeit über alle aufmerksam bei der Sache. Erstaunlich, ist doch das Belüftungssystem der Kirche völlig überfordert und die Luft schon längst zum schneiden.

Viele schütteln mir die Hände und wünschen mir Gottes Segen. Draußen im Foyer hat sich schnell eine Schlange vor dem Bücherladen der Kirchengemeinde gebildet. Sie wollen das Buch kaufen “L-am văzut pe Dumnezeu” (Ich habe Gott gesehen).

Vor mir steht Richard und drückt mir die Hand. “Sie glauben gar nicht, wie sehr sie mir heute aus dem Herzen gesprochen haben”, sprudelt es aus ihm heraus, “ich möchte später einmal Chirurg werden und dann würde ich so gerne am Hospital Diospi Suyana mitarbeiten!”

“Kein Problem”, antworte ich. “Sobald sie im Studium etwas weiter sind, machen Sie bei uns eine Famulatur. Und wenn sie ihren Facharzt in der Tasche haben, kommen sie zu uns als Chirurg!” Richard ist begeistert. Sein Gesicht und der Tonfall seiner Stimme sagen es deutlicher als Worte es jemals ausdrücken könnten: “Ich bin dabei, 100 pro!”

PS. Das rumänische Gebetshaus in Wien hat wohl den größten Gottesdienstbesuch von allen Kirchen in Österreich.