Im fahlen Mondlicht

Eine ungewisse Abreise

Es ist drei Uhr in der Nacht. Ich bin auf dem Weg zum Taxistand von Curahuasi. Ob überhaupt schon so früh Autos am Ortsausgang warten? Ich weiß es nicht. Dafür weiß ich, dass mein Flug am Abend mit der Air France wegen Streik annulliert wurde. Werde ich den Inlandsflug um 6:57 Uhr in Cusco erreichen? Hoffentlich.

Der Taxifahrer versucht mich beim Fahrpreis zu bemogeln. Ärgerlich. Es dauert nicht lange und wir sind tatsächlich unterwegs. Allerdings bald im dichten Nebel. Eine E-Mail trifft ein. Ich werde unterrichtet, dass ich in Lima erst einen Tag später einen Flug nach Europa bekommen kann. Das passt mir überhaupt nicht. Will ich doch am Freitag in London die Übersetzung des zweiten Buchs vorstellen. Und am Sonntag beginnt meine Vortragsreise in Deutschland.

Meine Gedanken eilen zurück in das Jahr 1999. Meine Schwiegereltern wollten uns in Ecuador besuchen. Um die beiden in Quito abzuholen, hatte ich zwei Verbindungswege zur Verfügung. Die eine Straße war durch einen Vulkanausbruch gesperrt und die andere durch einen Erdrutsch blockiert. Ich klagte meinem Chef Dr. Wolff mein Leid. „Das ist doch die totale Sch…!“ – Der alte Haudegen antwortete seelenruhig: „Das hast nun davon!“ – „Was soll das heißen?“, fragte ich erstaunt zurück. – „Es war deine eigene Entscheidung, Missionsarzt zu werden!“, bemerkte Eckehart Wolff lakonisch. Natürlich hatte er Recht.

Das Flugzeug in Cusco startet überpünktlich. Ich bin dabei. Aus Deutschland habe ich gute Nachrichten erhalten. Ein Alternativflug bringt mich noch am Dienstagabend mit Lan und Lufthansa nach Frankfurt. Alles ist bestens. Aufatmen.

Lima bei angenehmen 19 Grad. Um 10 Uhr zum Justizministerium und um 12 Uhr zur deutschen Botschaft. Danach zum Ministerium für Transport und Kommunikation.

Im Augenblick geht alles nach Plan und die Zukunft liegt in Gottes Hand. /KDJ

Der Nebel wird immer dichter.
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