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Radio Diospi Suyana

Harte Zeiten

Diospi Suyana wird Opfer einer Schmutzkampagne

Seit 11 Jahren bemühen sich die Mitarbeiter von Diospi Suyana um das Wohl der Hilfesuchenden, die vor den Toren des Missionsspitals Schlange stehen. 313.000 Patientenbesuche sind registriert, vornehmlich Quechua-Indianer. 40 TV-Reportagen haben unser Krankenhaus in Peru über den grünen Klee gelobt. Zwei Staatspräsidenten, eine First Lady und fünf Gesundheitsminister haben unsere Einrichtungen mit eigenen Augen inspiziert. Doch leider schützt das große Interesse der Medien und Behörden nicht vollständig vor übler Nachrede. Lesen Sie nun den folgenden Bericht.

Dienstagnachmittag, der 28. August 2018: Ein 80 Jahre alter Mann ohne Führerschein fährt im betrunkenem Zustand durch einen Vorort von Curahuasi. Es kommt zum Crash mit einem Lastwagen. Danach schleudert sein Fahrzeug frontal gegen ein vollbesetztes Taxi. Auf der Rückbank schläft ein 35-Jähriger ohne Sicherheitsgurt. Er hat keinerlei Schutzreflexe. Durch den knallharten Aufprall fliegt er durch das Taxi. Er erleidet schwere Quetschungen beider Beine, mehrere große Hämatome und einen komplizierten Bruch seines rechten Femurs. Der Oberschenkelknochen zersplittert durch die Wucht in vier Teile. –  Alle Patienten werden zum Hospital Diospi Suyana gebracht und notfallmäßig behandelt.

Der beschriebene Mann ist Mitarbeiter der örtlichen Gesundheitsstation und hat einen Anspruch auf ESSALUD, eine Kostenübernahme der Rechnung durch eine staatliche Versicherung. Sein Vorgesetzter will ihn deshalb am Mittwochmorgen mit einem Krankenwagen in das ESSALUD-Krankenhaus nach Abancay bringen. Der Traumatologe von Diospi Suyana schreibt sofort die Überweisung. Alles wird für die Verlegung vorbereitet. Doch dann sagt der Chef der Gesundheitsstation: “Ich habe im ESSALUD-Krankenhaus eben angerufen. Leider gibt es dort in dieser Woche keinen Traumatologen. Bitte macht ihr die Operation!”

Kein Problem. Wir helfen gerne. Die Reihenfolge der operativen Eingriffe wird geändert, um das Unfallopfer zuallererst in den Saal zu schieben.

Es wird für Dr. Tim Boeker eine schwierige Operation von fünf Stunden Länge. Das Ergebnis ist aber ausgezeichnet. Der Marknagel liegt perfekt. Alle Knochenbruchstücke sind wieder vereinigt.

Am Donnerstag, den 30. August entwickelt der Patient wegen seiner vielen inneren Quetschungen ein beidseitiges Kompartmentsyndrom der unteren Extremitäten. Der Druck in den Muskellogen steigt rasant an. Das kann, wenn man nicht umgehend eingreift, zum Absterben der Nerven, Gefäße und Muskeln führen. In einer Not-OP werden die Beine durch lange Schnitte eröffnet. Die Muskeln dekomprimiert. Gegen Ende des Eingriffes kommt es zum Herzstillstand, der aber sofort erfolgreich behandelt wird.

Die Tage Freitag, Samstag und Sonntag sind gekennzeichnet durch starke Blutungen. Die Gerinnung ist völlig derangiert. Insgesamt 21 Blutkonserven und Plasmaprodukte werden benötigt, um den Hämoglobinwert einigermaßen zu stabilisieren. Trotz eines akuten Nierenversagens gelingt es durch regelmäßiges Feintuning den Kaliumwert in den Normalbereich zu bringen. Der Blutdruck bleibt stabil. Ein Beatmungsgerät hält die Sauerstoffsättigung des Blutes im oberen Bereich. Allerdings kommt es zu einer starken Ödembildung aller Gewebe und zu enormen Flüssigkeitsverlusten über die Wunden.

Sonntagmorgen: Ein Zahnarzt der Gesundheitsstation von Curahuasi (Posta) ruft im nationalen Radio- und TV-Kanal “Exitosa” an und verleumdet das Missionsspital. Er macht drei unerhörte Aussagen:

1. Das Spital habe keinen Anästhesisten. Eine Krankenschwester habe stattdessen die Narkosen verabreicht.
2. Weder die Angehörigen noch die Mitarbeiter der Gesundheitsstation hätten Zutritt zum Patienten auf der Intensivstation. Das Spital würde auch keine Informationen über die Entwicklung des Falles herausgeben.
3. Es sei unverständlich, dass ein junger Mann auf der Intensivstation lande, obwohl es sich doch nur um einen “kleinen” Eingriff gehandelt habe. Hier läge klar eine ärztliche Vernachlässigung vor.

Sein Beitrag wird am Montag, den 3. September zum zweiten Mal ausgestrahlt. Die Mitarbeiter von Diospi Suyana sind völlig geschockt. Seit fünf Tagen sind sie Tag und Nacht aktiv, um das Leben des Mannes zu retten. Anstatt ein Dankeschön zu ernten, werden sie in der Öffentlichkeit von einem Denunzianten verunglimpft.

Es finden zwei lange Gespräche zwischen dem Chef der Gesundheitsstation, einigen Kollegen und den Missionsärzten John statt. Das zweite Treffen wird mit Wissen aller mitgeschnitten. Der Direktor der “Posta” entschuldigt sich für die Anschuldigungen durch den Odontologen. Er könne ohnehin bestätigen, dass sowohl die Familienmitglieder als auch die Mitarbeiter der Gesundheitsstation regelmäßig Informationen über den Fortgang des Falles erhalten hätten.

Sechs Stunden später verschlechtert sich der Zustand des Patienten erheblich. Er wird in der Nacht zum ESSALUD-Krankenhaus nach Cusco verlegt. Oebele de Haan, die Anästhesistin Dra. Lesly, Dr. Julian, Krankenschwester Maribel halten den Patienten während der riskanten Fahrt durch die Berge am Leben. Es ist ein frustraner Versuch vielleicht durch Dialyse eine Verbesserung seines Allgemeinbefindens zu erreichen.

Es ist 2:15 Uhr in der Nacht. Die Missionsärzte Klaus und Martina John sitzen alleine auf der Intensivstation. Sie sind völlig konsterniert. Es ist bitter, wenn ein Patient den Kampf gegen den Tod verliert. Es tut noch mehr weh, wenn man so viele Tage um ihn gerungen hat. Und es wird geradezu entsetzlich, wenn man obendrein noch angefeindet wird. –  Vier Stunden nach Ankunft in Cusco verstirbt der Patient.

Die ersten Befunde der Autopsie ergeben Hinweise auf eine chronische Lebererkrankung, was den extrem geringen Eiweißspiegel im Blut, die täglichen massiven Flüssigkeitsverluste über die Wunden und die extreme Blutungsneigung des Patienten erklären könnte. Das Kompartment-Syndrom wird ebenfalls bestätigt.

Donnerstag, der 6. September: Unangemeldet steht eine Kommission der ärztlichen Gesundheitsbehörde aus Abancay vor der Tür des Spitals. Sie haben “schlimme Dinge” gehört und wollen der Sache nun auf den Grund gehen. Die Sitzung im Büro von Dr. John gleicht einem Tribunal. Die Stimmung ist extrem gespannt. Doch als die Missionsärzte John minutiös den Hergang schildern, ändert sich das Klima im Raum schlagartig. “Das haben wir alles nicht gewusst!”, sagen die Ärzte aus Abancay. Nach einer Führung durch das Krankenhaus sind alle sichtlich begeistert. Der Chef meint zum Abschied: “Demnächst komme ich auch als Patient!”

Freitag, der 7. September. Die Mitarbeiter der Posta machen das Missionsspital für den traurigen Ausgang verantwortlich und organisieren eine Demonstration. Sie versuchen die Bevölkerung aufzuwiegeln. Für den Samstag planen sie unmittelbar nach der Beerdigung eine zweite Demo vor den Toren des Missionsspitals. Sie wollen 80 Autos mobilisieren und sogar ein Gebäude niederbrennen. Der Ton und der Inhalt ihrer Plakate lassen deutlich Gewaltbereitschaft erkennen. Wilde Gerüchte gehen durch Curahuasi. Es ist leicht Campesinos (Bergbauern) mit geringer Schulbildung aufzuheizen, besonders unter Alkoholeinfluss. Ohnehin geht es nicht um Fakten, sondern ausschließlich um Stimmungsmache.

Die Demo beginnt vor der Gesundheitsstation. Wohl kaum einer in diesem Zug verfügt über ein Verständnis komplexer medizinischer Sachverhalte.

Früh am Morgen fliegt Dr. Klaus John nach Lima und unterrichtet die Anwälte von Estudio Olaechea über die Vorkommnisse.  Die älteste Anwaltskanzlei Perus unterstützt Diospi Suyana seit acht Jahren mit kostenloser Rechtsberatung. Gleich vier Anwälte werden am Wochenende aktiv. Anzeigen wegen Verleumdung im schweren Fall werden vorbereitet. Zwei von ihnen begleiten den Deutsch-Peruaner zum Fernsehsender “Exitosa” am Samstagmorgen. Im Studio erläutert Dr. John live die Ereignisse der zurückliegenden Woche. Die drei Beschuldigungen des Zahnarztes können durch Beweise als unhaltbar zurückgewiesen werden.

1. Natürlich hat eine Anästhesistin die Narkosen der beiden Eingriffe geleitet. Er zeigt vor laufender Kamera die eidesstattliche Erklärung der Kollegin und ihren Arbeitsvertrag bei Diospi Suyana. Alle 14 Mitarbeiter, die bei den Operationen präsent waren, bestätigen durch Unterschrift diese Aussage.

2. Er zeigt außerdem die detaillierte Auswertung unserer Sicherheitskameras. Während seines Aufenthaltes auf der Intensivstation hatten die Verwandten 28 Mal Zutritt zum Patienten. Viermal wurden Mitarbeiter der Posta an das Krankenbett zugelassen. Sogar die Gespräche sind auf der Kamera festgehalten. Somit erweist sich auch die zweite Behauptung des Zahnarztes als Lüge.

3. Dr. John geht ferner Schritt für Schritt durch die Risikofaktoren des Patienten. Er war ein Asthmatiker ohne entsprechende Behandlung, litt an rekurrenten Infektionen seines Urogenitaltraktes. Und die Autopsie ergab Hinweise auf eine chronische Lebererkrankung.

Anschließend erklärt der Missionsarzt die Schwere des Unfallhergangs und die einzelnen Phasen danach.Eine Liste von 12 Seiten umfasst 532 Posten an Leistungen, die für den Patienten getätigt wurden. Labortests, Röntgenbilder, CT-Aufnahmen, Ultraschalluntersuchungen. Verbandswechsel, Infusionen, Blutkonserven, Medikamente und natürlich die schon erwähnten Operationen.
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Eine Zahl dürfte wohl alle Fernsehzuschauer verblüffen. Der Patient lag sechs Tage auf Intensiv. In dieser Zeit haben unsere Ärzte und Krankenschwestern 267 mal die Station betreten, um sich engmaschig um den Schwerverletzten zu kümmern. Dr. John sagt, dass es wahrscheinlich in der vergangenen Woche keinen zweiten Patienten in Peru gegeben habe mit so einer gewissenhaften Überwachung.
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Und auch eine weitere Tatsache klingt geradezu einmalig. Während der angespannten Situation haben 30 Missionare von Diospi Suyana in einer Gebetskette jeweils für eine Stunde für den Patienten gebetet. Es wird jedem Zuhörer deutlich, dass auch der dritte Vorwurf des Zahnarztes, nämlich einer Vernachlässigung des Patienten, geradezu grotesk anmutet.
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Die 20 Minuten im Studio werfen nun ein klares Licht auf die Schmutzkampagne der Gesundheitsstation, über deren Motive wir alle nur rätseln können.

Andernorts gehen die Bemühungen um den Schutz des Spitals weiter. Ein Minister der Regierung wird verständigt. Zwei Polizeikoronells sind involviert. Der Gouverneur des Bundesstaates interveniert ebenfalls. Am Morgen treffen 45 Polizisten in Curahuasi ein, um die lokalen Polizeikräfte zu unterstützen. Sie haben die Aufgabe Schaden vom Krankenhaus, seinen Patienten und Mitarbeitern fernzuhalten.

In vielen Ländern falten Christen ihre Hände und beten für Diospi Suyana. Uns erreichen Solidaritätszuschriften aus Australien, Paraguay, Deutschland, der Schweiz und natürlich aus Peru. Einige Curahuasinos organisieren in der katholischen Kirche des Ortes eine Messe, in der für Diospi Suyana und die Missionssärzte John gebetet wird.

Das ist der Stand der Dinge am Sonntag, den 9. September um 16 Uhr. Wir berichten weiter./KDJ


 

Ein Trupp von Polizisten wird im Speisesaal des Spitals verköstigt.
6 Kommentare
  1. Dag Dittert

    Manches erinnert an: “Das Gerücht” von A. Paul Weber.
    Mir hier in der Ferne kommt es wieder einmal vor, dass der Teufel gerade da aktiv wird, wo Christen die (Nächsten-)Liebe des HERRN reichlich ausgießen.
    Ich bin mir jetzt schon fast sicher, dass dieser Zahnarzt nach der Affaire gar nicht wissen wird, wieso er solch hanebüchenes Zeug behauptet hat. Er ist einfach vom Teufel benutzt worden. Diese Nichtnachvollziehbarkeit von Person, Behauptungen, Lauffeuer, Mob – hoffentlich passiert nicht noch irgendein Inferno – kommen mir so unheimlich teuflisch vor.
    Behüte Euch der HERR.

  2. Maike

    Ich habe auch intensiv gebetet und bin so froh, dass der Herr euch behütet hat.
    Ihr habt schon so oft Gottes direktes Eingreifen erlebt.
    Ich bete weiter für euch, vor allem um Schutz und Segen.
    Vergesst nie, vor allem in diesen schweren Tagen- es ist Gottes Projekt und niemand ist größer und stärker als er.
    Er wird euch behüten!

  3. Ilse Schütze

    Danke für den genauen Bericht – man spürt die Liebe, den Eifer, die Verzweiflung, die Erschöpfung…
    Sicher werden viele Fazits gezogen werden können. Eines ist:
    Auch wenn ALLES richtig gemacht wird – Gott bleibt der Herr über Leben und Tod!!!
    Vielleicht muss das auch einmal in der Öffentlichkeit sichtbar werden…
    Peter und ich wünschen Euch viel Kraft und Frieden in dieser Phase!

  4. M Meijer

    “es ist Gottes Projekt und niemand ist größer und stärker als er” wir beten für euch, liebe Grüsse, D & M Meijer, die Niederlände