Ex-Genosse Röder erzählt

Die persönliche Wende

Im tiefsten Sachsen unweit der tschechischen Grenze liegt im Vogtland der Urlaubsort Schöneck. Und weil es hier so wunderschön ist, baute die Gewerkschaft des Arbeiter- und Bauernstaates ein großes Erholungsheim auf den Berg. Im Tal liegt die Evangelische Schule und 350 Schüler werden heute in der Sporthalle die Geschichte von Diospi Suyana hören. Während die Jungs und Mädchen geräuschvoll in die Halle stürmen, rede ich noch mit Jörg Röder. Was er mir sagt, ist spannend und ich bitte ihn mir zwei Stunden später ein Interview zu geben.

Als Jörg das Licht der Welt erblickt, beginnen die Ostdeutschen den wahren Sozialismus kennenzulernen. „Gott war für mich als Junge kein Thema“, sagt Röder. „Meine Eltern gingen zu Feiertagen in die Kirche, aber das hatte für mich keine tiefere Bedeutung!“ Der Jörg ist ein schlauer Kerl und so einer muss doch eigentlich im sozialistischen Staat Lehrer werden. In Halle an der Saale erhält er seine pädagogische Ausbildung. Spätestens jetzt versteht Jörg, dass der Glaube an Gott auf die Müllhalde verstaubter Ideen gehört.

1984 wird er Lehrer an der Schule in Schöneck und drei Jahre später sogar Schulleiter. Doch nun ereignet sich – für viele völlig unerwartet – die friedliche Revolution. „Wir sind das Volk“ rufen die Volksmassen in Plauen und bald wird die Aussage genauer „Wir sind ein Volk!“ Die Wende ist unaufhaltbar. Ab 1990 werden die Schulleiter der ehemaligen DDR reihenweise ausgewechselt. Neue Führungsfiguren braucht das Land.

Jörg ist zwar Atheist, aber er hat einige Bekannte, die von sich sagen, sie seien überzeugte Christen. Eigentlich ganz nette Leute. Manchmal wird er eingeladen zu Gesprächsabenden der „Christen im Beruf“. Referenten berichten, warum sie an Gott glauben und trotzdem im Leben erfolgreiche und produktive Glieder der Gesellschaft seien.

Es kommt der Tag an dem Jörg Röder vor dem Mann am Kreuz kapituliert. Er betet und spürt, dass da jemand zuhört. Früher bei den Gottesdiensten seiner Eltern war das Gebet ein reiner Monolog. Jetzt steht er im Dialog mit dem allmächtigen Gott, der aktiv handelt. „Gott hat immer wieder in mein Leben eingegriffen und einmal bin ich sogar geheilt worden!“

„An was waren sie denn erkrankt?“, will ich wissen. „Ich litt an chronischen Rückenproblemen. Die Schmerzen strahlten in meine Beine aus. Eines Tages wurde für mich gebetet und von einem Augenblick zum nächsten war ich geheilt!“

Wenn Erich Honecker das hören würde, wie ein Ex-SED-Mann fest mit der wunderbaren Macht Gottes rechnet. Er würde sich bestimmt in seinem Grab umdrehen. /KDJ

Eine großzügige Spende der Evangelischen Schule Schöneck für Diospi Suyana. Der Schulleiter Markus Kugler überreicht den Scheck.
Die Evangelische Schule Schöneck wächst und wächst. Erich Honecker hätte sich sicherlich geärgert.
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