Eine seltsame Stimmung

In Curahuasi und Peru

Kurz nach 16 Uhr am Mittwochnachmittag. Eigentlich sollte nichts den klaren Blick auf die Schneeberge in der Ferne vernebeln. Aber man kann kaum die nahen Hügel fokussieren. Die Sonne leuchtet nicht rötlich, sondern silbern. Der Grund sind die vielen Rauchschwaden, die die Sicht eintrüben. Wie so oft werden wieder Felder abgebrannt, in der Hoffnung die Ernteerträge im nächsten Jahr zu steigern. Fruzsina Then hat das Naturschauspiel von ihrem Hausdach aus festgehalten. Eine seltsame fast unwirkliche Atmosphäre.

Heute feiert Peru den Nationalfeiertag Nummer 201. Auch die politische Szenerie mutet eigentümlich an. Fast obskur. Präsident Pedro Castillo wird seine Rede an die Nation halten und das ganze Volk weiß, dass er nach nur einem Jahr am Ende seiner Möglichkeiten angelangt ist. Fünf strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn wegen Korruption sagen nicht alles, aber viel. Wie die Medien berichten, hat der Staatschef im ersten Jahr für sich und seine Familie über 3 Millionen Soles (750.000 €) nur für Lebensmittel ausgegeben. Für jemanden, der antrat um Nepotismus und Vetternwirtschaft zu beenden, klingt das wie Hohn in den Ohren der verarmten Massen. Aber die Kongressabgeortneten lassen ihn gewähren, denn wenn Pedro Castillo sein Amt verlieren sollte, könnten auch sie ihre Koffer packen und müssten ihre attraktiven Gehälter der nächsten vier Jahre abhaken.

Es geht hüben und drüben um Eigeninteressen und nicht um das Wohl des Volkes. Für jedermann ein offenes Geheimnis. Allerdings kennt niemand so recht die Lösung aus diesem Dilemma. Denn es fehlt in Peru schlicht und ergreifend an integren Persönlichkeiten vom Schlage eines Václav Havel, einer Mutter Teresa oder eines Nelson Mandelas. /KDJ

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