
Oder wäre ohnehin niemand gekommen?
September 1999: Der Kaiserschnitt war für mich technisch in keiner Weise schwierig. Trotzdem blieb die Stimmung im Operationssaal gedrückt. Irgendwann vor der Operation hatten meine Kollegen im Ultraschall den Tod des Kindes festgestellt. Als ich am Abend über die Krankenstation ging, hörte ich die Mutter schreien. Es muss wohl jedem, der gerade am Hospital Vozandes del Oriente Dienst hatte, durch Mark und Bein gegangen sein: „Gott, ich habe so gebetet. Mein Kind ist tot. Bist Du taub?“ Es ist schlimm, wenn ein Kind stirbt. Aber ich finde es fast noch schlimmer, wenn ein alter Mensch aus dem Leben scheidet.
1988 in Cardiff, Wales: Ich war ein junger Arzt im ersten Ausbildungsjahr. Auf der Wachstation lag ein alter Mann im Sterben. Gegen Mitternacht brachte man seine Frau ans Bett. Jemand musste sie stützen, denn sie war nicht mehr gut zu Fuß. Ich werde ihr Schluchzen und Klagen nie vergessen. Ein langes Eheleben ging in diesen Minuten zu Ende. Jahrzehnte gemeinsamer Freude und geteilten Leides fanden ihren Schlusspunkt.
1986 in der chirurgischen Ambulanz der Universitätsklinik in Richmond, Virginia: Ich sprach mit einem Witwer, der einige Monate zuvor seine Frau verloren hatte. „Es muss bitter sein für sie ohne ihre Frau“, sagte ich und schaute ihn mitfühlend an. „Junger Mann“, antwortete der Amerikaner, „Sie haben keine Ahnung, wie weh es tut!“
An den Tod werden und wollen wir uns nie gewöhnen. Er reißt Familien auseinander und stürzt die Hinterbliebenen von einem Augenblick zum nächsten in tiefe Verzweiflung. Wir möchten ihn verdrängen und vermeiden. Doch am Ende hat das Sprichwort recht: „Nichts ist so sicher wie der Tod!“
Jerusalem vor rund 2.000 Jahren: Als Jesus aus dem Grab stieg, war die Bedeutung so weltbewegend, dass man später die Zeitrechnung nach ihm datierte. Die Freude über das Ereignis kannte unter seinen Nachfolgern keine Grenzen. Und so waren die ersten Christen bereit für ihren Glauben in den römischen Arenen zu sterben. Viele starben singend, nachdem sie ihren Mördern vergeben hatten.
Nach der Statistik zählt die Mehrheit der Menschen im Abendland zum Christentum. Eigentlich müssten heute in allen Städten, wo Christen leben, gigantische Volksfeste der Freude stattfinden. Aber alles ist ruhig und die meisten bleiben am Morgen im Bett liegen.
Warum?
Vielleicht liegt es daran, dass die wenigsten, die sich Christen nennen, den Worten der Bibel glauben. Ohne die Hoffnung auf ein ewiges Leben bleiben Friedhöfe die traurigsten Orte der Welt./KDJ









