
In einem Taxi um 21 Uhr
Es ist schon dunkel, als mein Airbus in Lima landet. Ich verlasse schnell das Flughafengebäude und eile auf die Straße. Bis zum Gästehaus unserer Mission sind es gut 25 Kilometer. Mit einem Taxifahrer einige ich mich auf den Preis. Und schon tauchen wir ein in das dichte Verkehrsgewühl der peruanischen Hauptstadt.
Mein Chauffeur zählt zu den 250.000 Männern und Frauen, die in Lima ihren Lebensunterhalt in diesem Gewerbe verdienen. Ein hartes Brot.
Von der Rückbank aus mustere ich den jungen Mann. Er dürfte Anfang 30 sein. Offensichtlich ist er im Stress, denn er fährt wie unter Starkstrom. Und dann knallt es. Ein klassischer Auffahrunfall. Beide Autos erleiden einen Blechschaden. Glücklicherweise geht der Crash ohne Blut und Tränen ab. Ich lese in der Kabine die Nachrichten im Handy und draußen verhandeln zwei mit viel Palaver die Höhe des Schadens. Nach 20 Minuten fahren wir weiter. Am Fahrstil hat sich leider nichts geändert. Aber etwas ist jetzt ganz anders. Wir beide reden. Zunächst beurteilen wir den Unfallhergang, dann sprechen wir über die Lebensumstände meines Fahrers. Wie ich im Gespräch höre, heißt er José.*
„Diese Sache kostet mich einen halben Monatslohn!“ José brummt und schüttelt ärgerlich seinen Kopf.
„Sie sollten für heute Abend besser Schluss machen und nach Hause fahren. Sicherlich wartet Ihre Frau schon auf Sie!“
„Nein, ich lebe seit drei Jahren von ihr getrennt. Unsere gemeinsamen Kinder wohnen bei Ihr!“
Mit tut der Mann mit den vielen Sorgenfalten leid. Nun erfahre ich weitere Details.
„Ich mache gerade eine Magenschleimhautentzündung durch. Neulich habe ich sogar Blut erbrochen!“
„Ich bin Arzt“, sage ich. „Sicherlich sind ihre vielen Probleme der Grund für die Gastritis!“
„Hat man mal mit dem Endoskop in den Magen geschaut?“ – „Nein, ich behandele mich selbst mit Wasser und Säften!“
„Sie sollten lieber Milch trinken. Säfte sind sauer, die verschlimmern nur die Symptomatik!“
„Hm, ich habe dummerweise Schulden und der Wagen hier ist auch nur geliehen. Am Morgen stehe ich ganz früh auf, weil ich mich am Unterhalt meiner Kinder beteilige!“
Der Toyota hält. „José, ich fürchte ich kann Ihnen nicht helfen, aber ich bin Christ. Darf ich für Sie ein Gebet sprechen?“
„Ja, natürlich!“ – José dreht das Radio auf leise.
Aus der Tiefe meines Herzens bete ich um Gottes Segen und Eingreifen. Und dann rate ich ihm noch zwei Dinge. „Kaufen Sie sich eine Bibel und lesen Sie jeden Tag ein Kapitel aus dem Neuen Testament. Und vertrauen Sie sich am Morgen der Fürsorge Gottes an!“
Vor der Tankstelle „Listo“ steige ich aus und lasse José mit seinem Frust, den Sorgen und seiner Not hinter mir zurück. Ich werde ihn wohl nie wiedersehen. Hoffentlich fängt er an zu beten. /KDJ (* Name verändert)











