Sadhu Sundar Singh und Karfreitag

Vor hundert Jahren zierte sein Bild unzählige Häuser von Christen weltweit. Sadu Sundar Singh erblickte am 3. September 1889 in einer Familie von Sikhs das Licht der Welt. Auf der Schule kam er in Kontakt zu Christen. Er verachtete junger Inder, die sich dem christlichen Glauben zuwandten. Als Jugendlicher verbrannte er sogar als Demonstration seiner tiefen Abneigung Christen gegenüber eine Bibel. Seine Freunde schauten zu als er Seite für Seite in die Flammen warf.

Nach außen miemte Sundar den Starken, aber nach innen hatte seine Suche nach Gott längst eingesetzt. Monatelang war er innerlich völlig zerissen und schließlich entschied er sich seinem Leben auf den nahen Bahnschienen ein Ende zu setzen. In der Nacht zuvor passierte das Unaussprechliche, er sah Jesus in einer Vision.

Sundar wusste von nun an wo er hingehörte. Seinen Übertritt zum Christentum bezahlte er mit dem Verlust seiner Familienbande. Sein Vater verstieß ihn, sein Bruder wollte ihn sogar umbringen. Doch der Sechzehnjährige blieb seinem Glauben an Jesus treu. Er schrieb das Lied "Ich bin entschieden zu folgen Jesus". Es sollte in viele Sprachen übersetzt werden und eine der bekanntesten christlichen Hymnen werden.

Der junge Mann aus dem Bundesstaat Punjab zog aus und führte ein Leben als frommer christlicher Wandermönch. Als er wohl im April 1929 während einer Tibetreise starb, hatte er es längst zu Weltruhm gebracht.

Seine bescheidene und radikale Art der Nachfolge Christi verschaffte ihm unter Christen aller Konfessionen Gehör. "Ich bin es nicht wert in die Fußstapfen meines Herrn zu treten", sagte er von sich. Wie ER möchte ich auf der Straße leben, und das Leid der Menschen teilen. Ich werde mit denen essen, die mir Schutz gewähren und allen Menschen von der Liebe Gottes erzählen!"

Unlängst besorgte ich mir über eine Internetsuche aus einem Antiquariat ein altes Buch von Sadhu Sundar Sing. Es stammt aus dem Jahr 1925. Ich war offensichtlich nicht der erste, der dieses Buch zur Hand nahm. Auf rund 70 Seiten beschreibt der indische Gelehrte seine Meinung über den Hinduismus, Buddismus, den Islam und das Christentum.

Auf Seite 42 äußert er seine Gedanken zum Kreuzestod Christi. Hier einige Auszüge.

– Könnten wir das Geheimnis dieses Kreuzes verstehen, dann wäre es leicht, Christi wunderbare und unermeßliche Liebe zu begreifen, und zu verstehen, wie er die menschgewordene Liebe ist, und wie er um unserer Erlösung willen die Herrlichkeit der oberen Welt verlassen hat und herabkam in diese Welt der Sünde.

– Christi Leiden war in besonderer Weise Gottes Leiden für das Heil des Menschen. Es gibt nur eine Quelle alles Lebens, Gott, und von ihm haben alle lebenden Wesen das Leben empfangen, und wir leben in ihm auf Grund dieser Beziehung und Verbindung; muß nun nicht Gott infolge dieser lebendigen Verbindung, die er mit seinen Schöpfung hat, die Qualen fühlen, welche seine lebendigen Geschöpfe erleiden? Hat etwa der, welcher ein Gefühl für das Leiden geschaffen hat, selbst kein Gefühl für Leiden? Und wenn dies so ist, warum sollte es nicht möglich sein, daß er in Christus litt!"

– Christus kam ferner, um durch sein Sterben und Auferstehen zu beweisen, daß der Tod, den die Welt für Tod hält, kein Tod ist, sondern die Quelle des Lebens, und daß im Grunde nur die Trennung von Gott durch den Ungehorsam und die Sünde Leiden und Tod bedeutet!"

Vielleicht ist die Sprache aus dem Jahr 1925 nicht mehr für Jedermann verständlich. Sundar spricht vom Geheimnis des Kreuzes. Gott wird Mensch und leidet für uns, um uns ein ewiges Leben anzubieten.

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