
Ein Gänsehauterlebnis im Büro
Freitagnachmittag. Um die Mittagszeit stellt mir Tobias Lächele eine kleine Besuchergruppe vor. Zwei Amerikaner aus Seattle wollen sich in Lima in der christlichen Jugendarbeit engagieren. Sie haben von Diospi Suyana viel gehört und überraschen uns mit einem Kurzbesuch. Eine peruanische Freundin bringen sie gleich mit. Einer Eingebung folgend biete ich den Gästen für 16:30 Uhr einen Vortrag über die Geschichte von Diospi Suyana an.
Die Präsentation auf Spanisch verläuft wie immer. So denke ich zumindest. Als ich von einem 14-Jährigen berichte, der 2018 mit der Arbeitsdiagnose „Hirntod“ auf unsere Intensivstation aufgenommen wurde, kriegt die Peruanerin feuchte Augen. Das ist der Hergang. Der Junge war in ein Erdloch gestürzt und konnte nach Zeugenaussagen 20 Minuten nicht atmen. Da sich nach mehreren Tagen keine Besserung zeigte, stellte sich die Frage, wann das Beatmungsgerät abgestellt werden sollte um ein Begräbnis zu ermöglichen. In jenen schicksalsschweren Stunden betrat Gladys Hurtado, eine peruanische Kollegin, die Intensivstation. Sie kniete am Bett nieder und betete mit lauter Stimme: „Gott, wenn dieser Junge ohne Hoffnung das Krankenhaus gesund verlässt, werde ich seine nächste Geburtstagsfeier ausrichten!“ Einige Tage später erwachte er völlig unerwartet aus seinem tiefen Koma und Gladys veranstaltete – wie Gott versprochen – eine große Fete anlässlich seines Geburtstages.
Die Peruanerin am Tischende weint nun ohne Hemmungen. Ich unterbreche den Vortrag und schaue sie fragend an. „Dieser Junge ist mein Cousin!“ Alle im Raum sind wie vom Blitz getroffen. „Was ist aus ihm geworden“, will ich nun wissen. „Er lebt in Cusco und studiert Jura!“ Was soll man dazu sagen? Soli Deo Gloria, Gott allein gebührt die Ehre.












