Heute vor einem Jahr

Am 19. Dezember 2005 flog ich nach einer Vortragsreise durch Deutschland nach Lima zurück. In den frühen Morgenstunden des 20. Dezembers wurde mein Beamer plötzlich völlig unerwartet im Zoll konfisziert. Wochenlang versuchten der Deutsche Botschafter sowie Vertreter des Kirchenrats und des Gesundheitsministeriums das Gerät den Zollbehörden wieder zu entlocken. Doch alle Bemühungen schlugen fehl.

Am 7. Februar 2006 betrat ich ein Privathaus im Stadtteil San Borja der Hauptstadt Lima. Hier sollten nach Aussage der gelben Seiten des Telefonbuchs Beamer verkauft werden. Drei Modelle standen zur Auswahl. Um die Farben der verschiedenen Projektoren zu testen, hängte ich meinen Laptop abwechselnd an die Geräte heran und ließ im Blitzverfahren meine Präsentation über die Leinwand flimmern. Wenig später stellte sich mir der Präsident des Telefonunternehmens “IMPSAT” vor. Er hatte unerkannt aus einer Ecke des Raumes die Bilder tief bewegt mitverfolgt. Das Ergebnis dieses “zufälligen” Treffens war eine Satellitenschüssel für Internet und Telefon komplett gesponsert durch die Firma IMPSAT.Der Wert der Spende bewegt sich im sechsstelligen Bereich.

Die Firma IMPSAT hatte nun ein Interesse daran ihre großzügige Hilfestellung für Diospi Suyana in der Presse zu veröffentlichen. Also bezahlten sie zwei Journalistinnen die Reise nach Curahuasi. Nach ihrem Besuch schrieb die Redakteurin Doris Bayly eine dreiseitige Reportage über unsere Familie und das Krankenhausprojekt. Am 2. September 2006 erschien der Artikel in “Somos” der beliebtesten Wochenzeitschrift Perus.

Auf Grund der Reportage haben zwei Minengesellschaften das gesamte Dachmaterial gespendet. MDH (Cedec Alto Andino) kaufte 54 Tonnen Stahl und die Firma “Southern Peru” die asbestfreien Eternitplatten. Der Wert der Materialspenden liegt bei rund 120.000 USD. Bis Ende Februar sollen alle Gebäude mit einem Dach versehen sein.

Heute vor einem Jahr stand noch keine einzige Mauer auf dem Plateau des Spitals. Mittlerweile ist der Rohbau abgeschlossen worden. Ohne den konfiszierten Beamer hätten wir weder das damalige Kommunikationsproblem lösen noch das Dach des Krankenhauses in Auftrag geben können.

Nur Gott kann Niederlagen in Siege verwandeln.

Klaus-Dieter John