
Edinburgh – Curahuasi: Nur 10.000 km voneinander entfernt
Freitag, der 24. Mai: Heute steht viel auf dem Spiel. Ich fahre entlang der Ostküste in den Norden nach Edinburgh. Ein befreundetes Ehepaar hat den Vortrag kurzfristig anberaumt, aber niemand weiß, wer sich am Abend überhaupt in den Saal der Kirchengemeinde verirren wird. Ich sitze auf meinem Platz hinter dem Steuer auf heißen Kohlen. Im fernen Peru wird heute eine Delegation der Gesundheitsbehörde erscheinen. Alle drei Jahre müssen die Krankenhäuser des Landes ihre Lizenz neu beantragen. Seit fünf Monaten warten wir schon auf die Bearbeitung unseres Falles. Und bei Bürokraten weiß man nie, welche neuen Gesetze ein gutes Werk urplötzlich gefährden könnten.
Während ich mich mit 110 km/h dem Ziel nähere, bitte ich Gott um Hilfe und Bewahrung für Diospi Suyana in den Anden. Eigentlich bete ich das gleiche Gebet in vielen Variationen: „Gott, bitte schenke uns Deinen Beistand!“ – Meine Frau Tina und Dr. Zeier sollen die Arbeit mit einer Power-Point-Präsentation vorstellen. Aber ob die Herrschaften der Behörde wirklich kommen, weiß niemand. Um 9 Uhr (Peruzeit) sind sie nicht da und um 10 Uhr auch nicht.
29 Zuhörer treffen sich im Kirchsaal. Die Bilder fliegen über die Leinwand. Wie ein älterer Herr danach treffend bemerkt, hat man sogar das Husten völlig vergessen, so spannend war die Geschichte!“ Nun folgt die obligatorische Fragerunde. Und schon spreche ich von den Risiken und Ängsten, die ein so großes Werk wie Diospi Suyana mit sich bringt: „In diesem Augenblick“, sage ich, „sitzt eine Kommission des Staates in meinem Büro in Curahuasi und wir hoffen, dass sich bei der Begutachtung keine Hürden auftun werden!“ (Zeitunterschied 6 Stunden zwischen Peru und Großbritannien)
Ein junges Ehepaar steht vor mir. Dr. Tom Harley ist ein Arzt aus Glasgow. Seine Frau Alessandra arbeitet als Ernährungsberaterin. „Schon als Medizinstudent habe ich von Diospi Suyana gehört. Vor ein paar Tagen haben wir „zufällig“ von ihrem Vortrag in Edinburgh erfahren. Wir hätten Interesse bei Diospi Suyana mitzuarbeiten!“ Und es kommt immer besser. „Meine Frau ist gebürtige Peruanerin und auch ich spreche mittlerweile Spanisch auf einem B2-Niveau!“
Kurz vor Mitternacht (Schottland) berichtet mir meine Frau über WhatsApp vom weiteren Verlauf des Tages. Die Experten aus Abancay waren wohl im Großen und Ganzen zufrieden. Wie eine Beamtin sogar bemerkte, wurde ihre eigene Mutter gut und erfolgreich am Missionsspital behandelt. Persönliche Erfahrungen zählen auch für einen Funktionär des Staates mehr als Paragraphen.
Welch ein Traum, wir könnten vielleicht schon im Juni/Juli die Lizenzverlängerung erhalten. Und vielleicht kommen die Harleys noch in diesem Jahr nach Curahuasi – für drei Jahre und hochmotiviert. Das wäre die absolute Krönung. /KDJ












