
Im Wohnzimmer von Keiko Fujimori
Wir schreiben den 26. November 2012. Ein großes Event steht für Diospi Suyana auf dem Tagesprogramm. Die Buchkette „El Inca“ organisiert in Lima eine Buchvorstellung mit mir als Referenten. Ein ansehnliches Buffet bietet genug Essen für 200 Gäste. Pastoren und christliche Multiplikatoren sollen die Geschichte von Diospi Suyana in der 10-Millionen-Metropole an ihre Kirchengemeinden weitergeben. So der Plan. Doch es kommt ganz anders. Der Saal bleibt leer. Auf den vorderen Stühlen sitzen etwas verwaist nur 38 einsame Gestalten und harren der Dinge. Die Hälfte der Besucher hatte ich am Tag zuvor noch selbst zur Teilnahme animiert. Wenn groß eingeladen wird und „keiner“ auftaucht, ist das irgendwie oberpeinlich.
Der Vortrag ist zu Ende und schon eilen die Gäste nach draußen. Im Vorbeigehen schnappt sich jeder noch ein Sandwich am Buffet und das war’s. Außer Spesen nichts gewesen.
„Diese drei Bücher nehme ich auch noch mit. Vielleicht können Sie die noch signieren!“ Ein älterer Herr hält mir die Exemplare vor die Nase. Natürlich schreibe ich meinen Namen auf die erste Seite unten. „Das eine Buch ist übrigens für Keiko!“ – Ich bin plötzlich hellwach. Bei Keiko handelt es sich um Keiko Fujimori, Tochter des ehemaligen Staatspräsidenten. Wahnsinn, dass der Mann die Spitzenpolitikerin persönlich kennt. Ich steige wenig später in ein Taxi und schüttele ungläubig meinen Kopf. Sachen gibt’s, die gibt es gar nicht.
24. April 2013. Die Tür öffnet sich. Keiko Fujimori empfängt mich in ihrem Privathaus. Im Wohnzimmer hört und sieht sie eine Geschichte, die niemanden kalt lässt. Aus dem Nichts entsteht in 45 Minuten ein modernes Krankenhaus für die Ärmsten der Armen. Und natürlich erkläre ich, dass Gott es war, der sich das alles ausgedacht hat. Pressefotos an der Eingangstür folgen. Mit dabei sind zwei Kontaktpersonen, einen von ihnen habe ich ja bereits fünf Monate vorher bei dem missglückten Buchevent kennengelernt.
7. Juni 2026. Keiko Fujimori gewinnt eine spannungsgeladene Stichwahl gegen den radikalen Sozialisten Roberto Sanchez. Am 28. Juli, dem peruanischen Nationalfeiertag, wird Keiko als neue Staatschefin in den Präsidentenpalast einziehen.
Es wäre doch längst an der Zeit Keiko Fujimori einen kleinen Update-Vortrag zu halten. Meinen Sie nicht auch? Nur Gott kann aus einem Flop einen genialen Moment schaffen. 13 Jahre später verstehe selbst ich den tieferen Sinn meiner Buchpräsentation vor einem gähnend leeren Saal. /KDJ















