Thema: Die Frage nach der Beweisbarkeit Gottes

Thema: Die Frage nach der Beweisbarkeit Gottes, dargestellt am Beispiel von „Diospi Suyana“

Gliederung:

1.)  Zusammenfassende Darstellung des Buches „Ich habe Gott gesehen“ von Dr. Klaus-Dieter John bzw. Darstellung des Projektes „Diospi Suyana“

2.)  Darstellung der Gottesbeweise von Thomas von Aquin und deren Problematik. Vergleich mit Dr. Johns Gotteserfahrungen

3.)  Eigene Stellungnahme: Ist Gott beweisbar? Welchen Beitrag kann das Buch von Dr. John dazu leisten?

Alle Seitenangaben in Klammern beziehen sich auf das Buch von Klaus-Dieter John, „Ich habe Gott gesehen“.

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1.)   Zusammenfassende Darstellung des Buches „Ich habe Gott gesehen“ von Dr. Klaus-Dieter John bzw. Darstellung des Projektes „Diospi Suyana“

  

Das Buch „Ich habe Gott gesehen“ von Klaus-Dieter John erschien im Frühjahr 2010 im Brunnen Verlag. Der Autor schildert darin, wie sein Lebenstraum, der Bau eines modernen Krankenhauses für die Quechua-Indianer in Peru, mit Gottes Hilfe wahr wurde.

Bereits in seiner Schulzeit stand für Klaus John fest, dass er einmal in einem "Dritte Welt“-Land notbedürftigen Menschen als Arzt helfen wolle. Dieses Ziel hatte er mit Martina Schenk, seiner Jugendliebe und zukünftigen Frau gemeinsam. Auch der Glaube an einen persönlichen Gott verband die beiden – und tut es bis heute.

Nach dem Abitur absolvierten sie ihr Medizinstudium an verschiedenen hochangesehenen Universitäten wie Harvard und Yale, Martina als Kinderärztin, Klaus als Chirurg.

Um praktische Erfahrungen zu sammeln, arbeitete das Ärzteehepaar anschließend für mehrere Jahre in einem Krankenhaus in Ecuador. Die miserable medizinische Versorgung, die sie dort erlebten, festigte ihren Wunsch, ein eigenes, besser ausgestattetes Krankenhaus zu bauen. Durch verschiedene Umstände wurde dafür schließlich eine medizinisch absolut unterversorgte Region in den peruanischen Anden ausgewählt.     

   

Für solch ein Projekt war jedoch keinerlei Startkapital vorhanden. Dennoch setzten die Johns alle Hebel in Bewegung, um ihren Traum zu verwirklichen.

Ein Name für das geplante Krankenhausprojekt war bald gefunden: „Diospi Suyana“, was aus der Quechua-Sprache übersetzt heißt: „Wir vertrauen auf Gott.“ Dies lässt sich auch als Lebensmotto für die Johns bezeichnen, denn ohne ihr enorm großes Gottvertrauen wäre „Diospi Suyana – das Hospital  der Hoffnung“ wohl nie entstanden.

Als der Verein „Diospi Suyana e.V.“ im Jahr 2002 gegründet wurde, war die Vision der Johns abgesehen von einem kleinen Kreis Eingeweihter noch völlig unbekannt. Dies änderte sich jedoch in den nächsten Jahren durch die zahlreichen Vorträge und Präsentationen, die Klaus John überall auf der Welt vor Firmen, Vereinen, Privatpersonen und Kirchengemeinden hielt, um auf sein Projekt aufmerksam zu machen. 

Wie unermüdlich engagiert und hartnäckig er dabei vorging, zeigt, dass er es unter anderem schaffte, eine Audienz bei Eva Köhler, der Gattin des Bundespräsidenten, zu erhalten, – und er gewann die Frau des peruanischen Staatspräsidenten als Schirmherrin des Krankenhauses (eine große Hilfe gegen die ausufernden Schwierigkeiten mit dem peruanischen Zoll).

Auch Presse und Fernsehen wurden auf das Projekt aufmerksam, dessen Umsetzung alle für unmöglich gehalten hatten – eine lange Liste von Sendungen und Artikeln zeigt, wie immer mehr Menschen von „Diospi Suyana“ erfuhren und natürlich auch der Kreis der Unterstützer wuchs. 

Hauptziel seiner ganzen Mühe war für Dr. John natürlich, Spenden für den Bau und die langfristige Finanzierung des Krankenhauses zu sammeln. Dass tatsächlich bis jetzt weltweit 11 Millionen US-Dollar von zahlreichen Firmen, Vereinen und Privatpersonen gespendet wurden, die das Projekt erst realisierbar machten, hätte Klaus-Dieter John vor einigen Jahren selbst kaum für möglich gehalten. Er ist fest davon überzeugt, dass seine Gebete und Gottes Hilfe für das Gelingen verantwortlich sind.

Sein Gottesbild ist maßgeblich geprägt von einem persönlichen Gott, der ihn begleitet und ihm wegweisend zur Seite steht. Trotzdem erlebte der Arzt nicht nur Erfolge. So werden auch viele Niederlagen und Rückschläge im Buch beschrieben, die seine Vision nicht nur fast zerstört hätten, sondern bei Klaus John auch Zweifel an der Existenz Gottes weckten.

  

Inzwischen ist der Bau des Krankenhauses „Diospi Suyana“ in Peru allein durch Spenden ermöglicht worden, und seit Oktober 2007 haben dort die Ärmsten der Armen eine Chance auf medizinische Versorgung nach modernen Standards. Diese ist überdies eingebettet in soziales, kulturelles und missionarisches Engagement des Krankenhaus-Teams vor Ort.

Beim Hören und Sehen klingt die Geschichte des „Hospitals des Glaubens“  wie ein modernes Märchen. Und doch ist sie Realität. Für Klaus-Dieter John ist sie außerdem der sicherste Beweis für die Existenz Gottes und dessen Wirken in der Welt. Durch seine intensiven Erfahrungen mit Gott hat Dr. John gelernt, dass er sich ganz auf ihn verlassen kann.

  

2.)   Darstellung der Gottesbeweise von Thomas von Aquin und deren Problematik und Vergleich mit Dr. Johns Gotteserfahrungen

Dr. John hat die Frage nach der Existenz Gottes viele Jahre beschäftigt: „Ich habe mich ein Leben lang gefragt, ob es Gott überhaupt gibt.“ (230)

Da sein christlicher Glaube häufig von Zweifeln befallen war, suchte er nach einem Weg, um Gott zu beweisen: „Besonders die Frage nach Gott wälzte ich Tag für Tag in meinem Inneren vor mir her. Ob er wirklich existierte? Hatte ich mir vielleicht nur etwas vorgemacht? Ich wollte nicht an Gott glauben, nein, ich wollte ihn vielmehr sehen.“ (32)

Die Frage nach Gott trieb im Lauf der Jahrhunderte viele Menschen um und bewegt viele Zeitgenossen auch heute.

Die fünf Gottesbeweise, die Thomas von Aquin (1225-1274) im 13. Jahrhundert zusammenstellte, sind wohl der bekannteste Versuch, Gott beweisen zu wollen. Es handelt sich um verschiedene Argumentationsketten.

Darin wird im ersten sogenannten Beweis festgestellt, dass es in der Welt Bewegung gibt, die wiederum einen Auslöser benötigt. Thomas von Aquin folgerte daraus, dass Gott als erster, unbewegter Beweger existieren muss, um die Kette von Bewegungen auslösen zu können (kinetischer Gottesbeweis).

Ersetzt man die Bewegung durch eine Ursache, so läuft der Kausalbeweis entsprechend ab: Eine Ursache ist immer abhängig von einer anderen Ursache, sodass es zwangsläufig eine erste, unverursachte Ursache geben muss, die Thomas von Aquin als Gott bezeichnet.

Im dritten Anlauf (Kontingenzbeweis) wird festgestellt, dass die Welt auch aus nicht notwendigen Dingen besteht, die sein und nicht sein können. Der Grund ihres Seins liegt also nicht in ihnen selbst, sondern in einem anderen. Somit muss ein notwendiges Wesen (Gott) existieren, das die nicht notwendigen Dinge geschaffen hat.

Des Weiteren soll der henologische Gottesbeweis die Existenz Gottes durch verschiedene Seinsstufen bezeugen, denn ein Maximum an Sein (Gott) muss vorhanden sein, wenn es höhere und niedrigere Werthaltigkeiten gibt.

Der fünfte und letzte Beweis (teleologischer Gottesbeweis) belegt Gott durch die Ordnung, Zweckmäßigkeit und Zielstrebigkeit der Welt, die durch ein Wesen mit höchster Intelligenz erst möglich wird. Dieser „überweltliche Ordner“ ist laut Thomas von Aquin Gott zu nennen.

Diese Gottesbeweise waren und sind stets harter Kritik ausgesetzt, denn zu jedem sogenannten Beweis lassen sich problemlos auch immer "Gegenbeweise“ (Argumente) finden. Beispielsweise münden alle ihre Schlussfolgerungen alternativlos in der Annahme, dass die erste Bewegung/die erste Ursache etc. mit Gott gleichzusetzen ist. Hierin liegt jedoch ein Problem, denn selbst wenn der Beweisgang logisch nachvollziehbar ist, so ist das daraus resultierende Fazit stets subjektiv. Ein Christ würde Thomas von Aquin in seiner jeweiligen Schlussfolgerung „quod omnes nominant Deum – eben dies nennen alle Gott“ problemlos zustimmen, doch ein Atheist würde in einem „Wesen mit höchster Intelligenz“ nicht ohne weiteres Gott erkennen.

Die im Kontingenzbeweis betonte Annahme, dass Gott ohne Grund existiert, lässt sich außerdem ebenso gut auf das Universum übertragen. Somit könnten Naturwissenschaftler die Gottesbeweise auch als Beweise für ihre Theorie des Urknalls nutzen.

Als ein dritter – grundsätzlicher – Kritikpunkt an der Herangehensweise der Gottesbeweisen ist zu nennen, dass es nicht dem Wesen Gottes entsprechen würde, wenn er allein mit menschlicher Vernunft zu erklären wäre und bewiesen werden könnte, denn er ist und bleibt für uns Menschen immer ein Geheimnis. Sein Wirken und Handeln übersteigt unser begrenztes Denkvermögen.

Diese Darstellung  zeigt, dass sich Gott nicht beweisen lässt. Von „Beweisen“ zu sprechen, ist im Blick auf Gott unangemessen. Die Gedankenketten können jedoch – im Sinne von „Hinweisen“ – als Anreiz dienen, um Gott zu suchen und ihn persönlich zu erfahren.

So ging es auch Dr. John, der in seinem Buch schreibt: „Mein eigenes Motiv, das Projekt [Diospi Suyana] voranzutreiben, lag in meiner intensiven Sehnsucht nach einem erfahrbaren Gott begründet. Mein Blick glitt ständig über den fernen Horizont, in der Hoffnung, die Realität Gottes aufzuspüren.“ (194)

Sein Wunsch nach dem – natürlich subjektiven – Erkennen (der Gegenwart und des Handelns) Gottes hat sich in den vergangenen Jahren oft erfüllt, denn Klaus-Dieter John findet ihn in jeder Spende und jedem Mitarbeiter für „Diospi Suyana“.

Bereits der Titel seines Buches „Ich habe Gott gesehen“ zeigt, dass Gott für den Missionsarzt nicht nur mit Sicherheit existiert, sondern dass er auch in seinem Leben auftritt und eine aktive Rolle spielt.

In dem Kapitel „Der Draht zu Gott“ spricht Herr John über seinen Glauben, der durch Gottes sichtbares Eingreifen stets gefestigt wurde. Für den Autor bedeutet das Zustandekommen des Projektes „Diospi Suyana“ deshalb die Beseitigung seiner Zweifel und gleichzeitig die Vergewisserung: „Wenn wir Gott vertrauen, können wir mit ihm rechnen“ (216).

So lässt sich über die reine Existenz Gottes nichts sagen, aber über seine Erfahrbarkeit in der Geschichte, d.h. in konkreten Lebenssituationen. 

  

3.)  Eigene Stellungnahme: Ist Gott beweisbar? Welchen Beitrag kann das Buch von Dr. John dazu leisten?    

Damit ist die Frage, inwieweit Dr. Johns Buch und sein darin geschildertes Projekt auch für andere Menschen als Gottesbeweis dienen kann, bereits entschieden: 

Ich sehe das Buch nicht als sicheren Beweis für die Existenz Gottes an, denn wie oben bereits erläutert, ist ein allgemeingültiger und für alle Menschen gleich nachvollziehbarer Beweis Gottes unmöglich. Doch liefert die Geschichte über „Diospi Suyana“ zahlreiche sehr eindrückliche Hinweise, wie Gott im Leben eines Menschen wirken kann.

Um eine feste Gewissheit zu bekommen, dass Gott wirklich existiert, muss er sich jedem Menschen auf ganz individuelle und persönliche Art selbst offenbaren. Denn die Gotteserkenntnis geschieht nicht durch uns selbst, sondern durch den Heiligen Geist, den Gott uns schenkt: „Der Mensch kann von sich aus, mit seinen natürlichen Fähigkeiten, nicht erfassen, was Gottes Geist sagt. Für ihn ist das alles Unsinn, denn Gottes Geheimnisse erschließen sich nur durch Gottes Geist“ (1.Korinther 2,14).

Für Klaus-Dieter John ist die Erfolgsgeschichte seines Projektes ein sicherer – persönlicher – Gottesbeweis, denn Gott hat sich ihm dadurch in vielfältiger Weise gezeigt. 

Für mich stellt seine Erfahrung keinen Beweis, aber eine Ermutigung dar, die Suche nach Gott nicht aufzugeben, sondern immer wieder neu nach ihm zu fragen und ihn auch zu hinterfragen, denn gerade den Zweiflern offenbart sich Gott oft auf ganz besondere Weise (vgl. Johannes 20, 24ff.).

So versucht sich auch Klaus John die zahlreichen Erfahrungen, die seine Frau und er mit Gott erlebt haben, zu erklären: „Warum Gott sich in unserem Leben so oft und deutlich gezeigt hat, weiß ich nicht. Die meisten Menschen erfahren Gottes übernatürliches Eingreifen ja eher selten. Vielleicht hat er es deshalb getan, weil ich jahrelang an ihm gezweifelt habe. Und die Zweifler, die Kaputten und Verzweifelten kann er manchmal besonders gut einsetzen. Allerdings hatte ich auch stets den unbändigen Wunsch, Gott zu sehen und zu erfahren“ (248/249).

Darüber hinaus zeigt das Buch auf sehr anschauliche Weise, dass bei Gott nichts unmöglich ist, mag es auch noch so unrealistisch erscheinen.

Klaus-Dieter John wusste: „Menschlich gesehen, war unser Vorhaben der blanke Wahnsinn. Ohne Gottvertrauen war es schlichtweg undurchführbar.“ (113) Dennoch hat er es gewagt, denn „wenn wir Gott vertrauen, geschehen oft Dinge, die im Vorfeld schwer vorauszusehen sind.“ (154)

Dazu will die Geschichte ermutigen: Gott in jeder Lebenslage zu vertrauen. „Diospi Suyana“ zeigt, was Gottvertrauen bewirken kann. So kann das Buch „Ich habe Gott gesehen“ von Klaus-Dieter John jeden Leser/jede Leserin anregen, der/die sich von Gottes Wirken heute überzeugen und faszinieren lassen will.

Als eindeutiger Gottesbeweis kann es zwar nicht dienen, wie alle anderen entsprechenden Versuche auch scheitern müssen. Doch gerade indem John diesen absoluten Anspruch gerade nicht erhebt, sondern seine Geschichte mit Gott erzählt, liefert sein Buch einen interessanten Beitrag zur Diskussion über die Beweisbarkeit Gottes.

Quellen:

-Klaus-Dieter John, Ich habe Gott gesehen, Gießen 2010

-AB „Die fünf Gottesbeweise von Thomas von Aquin (13. Jh.)“

– Die Bibel. Hoffnung für alle, Basel 1. Auflage 2000

-Peter Kliemann, Glauben ist menschlich, Stuttgart 13. Auflage 2008

-Horst Georg Pöhlmann, Abriss der Dogmatik. Ein Kompendium, Gütersloh

  4. Auflage 1985

-www.diospi-suyana.com

Bildquellen:

-www.picasaweb.google.com/DiospiFotos

-www.baptisten-reutlingen.de/diospi_suyana.htm