Frau ohne Beine – läuft

Ein Sieg über die Schmach

“Ich hätte nie in diesen Bus einsteigen sollen”, sagt Mery aus Juliaca und erinnert sich traurig an eine Reise vor zehn Jahren. Mit rund 50 weiteren Fahrgästen saß sie in einem Omnibus. Und da sie ganz vorne auf der Beifahrerseite einen Platz gefunden hatte, genoss sie den freien Blick in die Landschaft. Das, was sich plötzlich zu ihrem Entsetzen ereignete, wird sie nie wieder vergessen. Der Bus stieß frontal gegen einen Lastwagen. Es waren Sekunden, die Merys Leben für immer veränderten. Ihre beiden Unterschenkel wurden abgequetscht. In einer nahen Klinik versuchten die Chirurgen zu retten, was noch zu retten war. Aber eine Amputation beider Beine unterhalb der Knie blieb leider unausweichlich.

Die beiden Stümpfe unter den Knien

Es folgten zehn schwere Jahre ohne jegliche Versorgung. Außerhalb des Hauses bewegte sie sich auf den Stümpfen vorwärts. Die Gegebenheiten ihres häuslichen Umfelds waren für einen Rollstuhl leider nicht geeignet. Trauer, Depression und die ewige Frage: “Warum bin ich damals nur in diesen Bus eingestiegen?”

Ein Tipp aus der Bekanntschaft ließ sie Hoffnung schöpfen. Sie machte sich am 6. Juni auf den langen Weg nach Curahuasi zum Orthopädie-Zentrum des Missionsspitals…

Das Dreamteam aus der Orthopädie-Werkstatt. Christian Haupt (links) und Daniel Müller (rechts)

Der Befund war eine echte Herausforderung für Christian Haupt, Meister der Orthopädietechnik, und seinen Kollegen Daniel Müller. Das Ergebnis ihrer Arbeit brachte Mery vorgestern wieder auf zwei Beine.  Nach einem Jahrzehnt kann sie ihren Mitmenschen auf Augenhöhe begegnen.

Morgen feiert Peru den Nationalfeiertag, ein absoluter Höhepunkt im Jahresablauf des Landes. Mery wird ihn mit leuchtenden Augen erleben. Christian Haupt schreibt: “Sie hat ein so starkes Vertrauen in ihre Prothesen, wie wir es in solch schwierigen Fällen selten gesehen haben. Zum Abschied haben wir zusammen gebetet. Nun beginnt für Mery ein neuer Lebensabschnitt voller Hoffnung!” (Text und Bilder mit Genehmigung der Patientin veröffentlicht)

1 Antwort
  1. Lächele

    So gut, vielen Dank für den mutmachenden Bericht und die tolle Arbeit. Wir durften sie bei unserem Besuch kennenlernen. Danke für euren Dienst. Gott segne euch und Mery!

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