Ein Sonntag voller Überraschungen

Am Morgen diskutieren meine Frau und ich detailliert wie wir als Familie den Nachmittag gestalten könnten. Machen wir einen Spaziergang in die Berge, einen Spielenachmittag oder schauen wir uns mit den Kindern einen Film an?

10 Uhr am Morgen: Das Telefon klingelt. Ein gewisser Martin Krauss meldet sich aus Cusco. “Ich bin als Tourist in Peru unterwegs, könnte ich heute Nachmittag das Krankenhaus anschauen?” “Gut, kommen Sie um 4 Uhr, ich werde Ihnen die Baustelle für eine halbe Stunde zeigen”, lautet meine knappe Antwort.

14 Uhr: Der Gottesdienst in einer kleinen evangelischen Gemeinde ist zu Ende, wir haben zu Mittag gegessen und liegen gemütlich auf der Couch. Es klopft an der Eingangstür. Meine Tochter Natalie schaut nach und kommt mit der Nachricht zurück, eine Reisegruppe stünde vor der Tür. Wie sich herausstellt, hat sie nicht übertrieben. Zehn Minuten später bin ich auf dem Gelände des Spitals und führe die Interessenten aus Deutschland durch alle Gebäude. Die Besucher sind tief beeindruckt und verabschieden sich nach 45 Minuten herzlich von mir. “Es tut uns Leid, dass wir vorher nicht Bescheid gegeben haben, vielen Dank für die spontane Führung!”

15 Uhr: Ich bin wieder zu Hause und sitze an meinem Schreibtisch. Da klingelt es an der Tür. Meine Frau öffnet. “Klaus, vier Männer stehen draußen und wollen mit Dir reden, es sind wohl Vertreter einer politischen Partei!”

Ich trete auf die Straße, die Männer kenne ich, aber mir fällt spontan nicht ein, wo ich sie das letzte Mal gesehen habe. Ich will ein Gespräch über die bevorstehende Bürgermeisterwahl beginnen, da wird mir plötzlich klar, wen ich vor mir habe. Hier steht der Chef der Minengesellschaft Cedec Alto Andino mit einen Ingenieuren. Sie sind aus Lima angereist und würden sich gerne das Spital anschauen. Guido del Castillo bezahlt immerhin den gesamten Stahl für die Dachkonstruktion aus eigener Tasche.

So schnell wie der Wind bin ich wieder auf der Baustelle um Sr. Castillo und seinen Leuten das Spital im Allgemeinen und die Dachkonstruktion im Besonderen zu zeigen. Als wir durch das Tor fahren, sehe ich auf einer Bank einen älteren Herrn sitzen, bei dem es sich nur um Martin Krauss handeln konnte. “Sind Sie Herr Krauss? rufe ich ihm zu, “geben Sie mir noch 30 Minuten, dann bin ich ganz für Sie da!”

Sr. Guido del Castillo ist tief bewegt. Was er mit seinen Ingenieuren sieht ist mehr als die Bilder im Laptop neulich in Lima zum Ausdruck brachten.

“Den gesamten Stahl, den übernehmen wir und vielleicht finden wir noch eine andere Firma, die die Eternit-Dachplatten sponsert!”

Um 17 Uhr gilt nun meine ganze Aufmerksamkeit Herrn Martin Krauss aus Süddeutschland. Meinen Laptop habe ich vorsorglich mitgebracht und erzähle ihm die Geschichte von Diospi Suyana als ob es das erste Mal wäre.

Es folgt die obligatorische Führung durch die Flure und Säle des Spitals.

Um 18 Uhr fährt er glücklich nach Cusco zurück und will auf jeden Fall im November einen Vortrag in seiner Kirchengemeinde organisieren.

Der Besucherstrom wird zweifelsohne zunehmen. Langfristig werden wir einen Bereitschaftsdienst einrichten, der die angemeldeten und unangemeldeten Gäste durch das “berühmte” Hospital Diospi Suyana führt.