
Sie werden staunen
Es ist Samstagvormittag und ich habe immer noch keine News auf die Webseite gesetzt. „Geh, doch mal in den Innenhof, da wirst Du bestimmt fündig!“ Natürlich höre ich auf den Ratschlag meiner lieben Frau und betrete den Hof im Herzen des Krankenhauses. Und das sind die Ergebnisse meiner kleinen Exkursion:
Mit Krankenschwester Yonny Alvarez interviewe ich den Bergbauern Mariano Aucaisi Apaza. Er ist 80 Jahre alt und wird derzeit wegen mehrerer Krankheiten behandelt. Er wohnt mit seiner Frau in einer kleinen Ansiedlung eine Stunde Fahrzeit von der Stadt Huarocondo im Bundesstaat Cusco entfernt. Das Radio von Diospi Suyana ist bei ihm zu Hause gut zu hören. Es ist noch gar nicht lange her, da war er noch auf den Feldern aktiv. Jetzt fühlt er sich allerdings zu schwach. „Wieviele Kinder haben Sie?“, frage ich den Quechua. „Sieben“, antwortet der Patient ohne zu zögern. „Und wie viele Enkelkinder?“ – Jetzt kommt Mariano etwas ins strudeln. „Mindestens zehn, aber vielleicht auch mehr!“

Mit meiner freundlichen Übersetzerin spreche ich nun mit Reynaldo Galinda. Der 48-Jährige kommt aus Chincheros, einem Ort in Apurimac, der an den Bundesstaat Ayacucho grenzt. Und bei ihm wird das Interview gleich ziemlich spannend. „Es ging mir nicht gut und ich wurde im März in der Stadt Andahuaylas operiert. Wegen einer akuten Entzündung nahm man mir den Blinddarm heraus. Doch auch nach dem Eingriff stellte sich keine Besserung ein. Schließlich reiste ich nach Curahuasi und wurde am Hospital Diospi Suyana von Dr. Hilbert de Vries untersucht. Vor zwei Tagen entfernte der Missionsarzt dann wirklich meinen Blinddarm. Man hatte mir in Andahuaylas einfach die Unwahrheit erzählt. Jetzt geht es mir gut!“ -„Wir haben in Chincheros einen Antennenturm stehen. Wissen Sie das?“ Meine Frage trifft ins Schwarze. „Selbstverständlich und ich kann das Radio Diospi Suyana in bester Qualität hören!“

Die Krönung meiner kleinen Befragung im Hof ist ohne Zweifel Doña Maria (81). Sie ist eine Quechuafrau aus dem Westen unseres Bundesstaates. Derzeit wird sie wegen einer Lungenentzündung therapiert. Ihr Sohn erzählt mir nun einige unglaubliche Details aus ihrer Vorgeschichte.
„Im Jahr 2010 hat man meiner Mutter in Lima wegen einer ernsten Entzündung die linke Niere entfernt. Doch danach fühlte sie sich genauso schlecht wie vorher!“ Ich spitze meine Ohren und folge aufmerksam seiner Schilderung. „Im Jahr 2011 brachten wir Kinder meine Mutter in das Regierungskrankenhaus nach Abancay. Dort hat man den Bauchraum wieder eröffnet und die linke Niere entfernt. Wie sich herausstellte hatte man uns in Lima schlicht und ergreifend belogen!“ Ich nicke unmerklich. Leider passiert so etwas in Peru ziemlich häufig. Das Motto ist dann „außer Spesen nichts gewesen“. Doch die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Der alten Dame ging es auch nach der „zweiten Nephrektomie – links“ nicht gut. Also erschien die Patientin im der Ambulanz des Missionskrankenhauses. „Ja, am Hospital Diospi Suyana haben die Chirurgen dann die linke Niere tatsächlich herausgenommen. Auch in Abancay hatten uns die Ärzte belogen. Jetzt hat unsere Mutter – was die Nieren angeht – keine Probleme mehr!“ Ich bin sprachlos und mache ein schnelles Foto.

Wie sich bei meiner Umfrage herausstellt sind alle sechs Patienten auf den Bänken im Hof Quechuas. Und alle muss man – das ist offensichtlich – als arm bezeichnen. Alle Sechs fanden am Hospital Diospi Suyana Linderung ihrer Beschwerden. Alle sind dankbar für die Behandlung. Und zwei von ihnen wurden an auswärtigen Spitälern in großem Stiel belogen. In der Summe wurden dort angeblich drei Organe entfernt (Niere und Blinddarm), die allerdings im Körper belassen wurden. Peru ist wie der „Wilde Westen“. Viele schwarze Schafe unter den Ärzten wollen schnell Geld verdienen und missbrauchen die Gutgläubigkeit ihrer Patienten.
Als ich die Treppen nach oben in mein Büro gehe, bin ich von Herzen dankbar, dass wir mit Gottes Hilfe das Hospital Diospi Suyana gründen konnten. Es ist seit 18 Jahren ein Hoffnungsbringer und die hunderttausende Peruaner können das aus eigener Erfahrung betätigen. /KDJ













Habe diese Geschichte auf meinem FB Seite geteilt Dieter & Martina.