Klinikum Fulda: Seminarraum 1 ist voll

Was hat Kollege Warkentin vor?

Es ist schon nach 18 Uhr und eigentlich an der Zeit den Heimweg anzutreten. Aber 80 Ärzte und Krankenschwestern füllen den Seminarsaal 1. Sie alle bewegt die Frage, warum um alles in der Welt ihr geschätzter Kollege Warkentin das attraktive Klinikum verlassen möchte. Der Facharzt der Neurochirurgie – so munkelt man – wird demnächst in die Anden umsiedeln.

Vorne steht ein Deutsch-Peruaner und erläutert mit vielen Bildern den Aufbau einer modernen medizinischen Einrichtung. Von Null auf Hundert. Von sechs Anisfeldern zu einer Klinik mit neuem MRT, einem 64-Zeiler CT, zehn Intensivbetten und sechs Operationssälen. Er erklärt das Wunder aus dem Nichts mit dem Segen Gottes. Am Ende sagt er einen interessanten Satz: „Es ist mir nun eine Ehre den einzigen Neurochirurgen des Bundesstaates Apurimac vorzustellen!“

Andreas Warkentin ergreift das Wort. Er spricht über die Neurochirurgie der alten Inka und über seine Pläne am Hospital Diospi Suyana eine Neurochirurgie aufzubauen. Dabei bezieht er sich bei seiner wagemutigen Vision auf die Nächstenliebe und bringt sogar den barmherzigen Samariter ins Spiel.

Alle sind gepackt. Diospi Suyana und Familie Warkentin passen wirklich zusammen. Niemand kann die Entstehung des Missionskrankenhauses erklären. Und unerklärlich wirkt die mutige Entscheidung ihres Kollegen, den hier am Klinikum fast jeder kennt. Ist der Glaube etwa tatsächlich mehr als nur Kulturgut oder ein privates Frömmigkeitsgefühl. Gestern Abend kreisten die Gedanken noch lange. „Mir lief es manchmal kalt den Rücken runter“, sagt ein Zuhörer ohne sich als gläubig zu outen. Wahrscheinlich ging es den meisten ganz ähnlich. /KDJ

Ein Neurochirurg will in die Anden.

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