Interview mit Anette Bauscher

In seiner ordentlichen Sitzung am 30.10.2004 stellte der Verein Diospi Suyana Frau Anette Bauscher aus Solms als Fundraiserin ein. Sie wird ihre Tätigkeit am 1.1.2005 aufnehmen. Diospi Suyana sprach mit Frau Bauscher.

DS: Frau Bauscher, was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Ausdruck „Fundraiser“. Otto-Normalverbraucher gerät bei diesem Wort doch ein wenig ins Grübeln.

A.B.: Stimmt, ich mag es auch nicht besonders. Es hört sich irgendwie nach „Berechnung“ an, vor allem für Leute, die damit nichts verbinden können. Leider gibt es kein deutsches Wort dafür. „Fund“ bedeutet „Mittel, Geld, Ressourcen“ und „to raise“ heißt: „erheben, beschaffen, wachsen lassen“. Ich mache also nichts anderes als Spendenmarketing oder besser: „Menschen die Freude am Geben zu lehren“, wie es ein amerikanischer Fundraiser so schön ausgedrückt hat.

DS: Sie haben fast 10 Jahre beim ERF in Wetzlar gearbeitet. Der ERF ist ein großes etabliertes Spendenwerk. Diospi Suyana hingegen ist erst in diesem Jahr in Deutschland ins Gespräch gekommen. Was treibt Sie zu dem Wechsel? Hat Sie die Abenteuerlust gepackt?

A.B.: Wer weiß? Ein bisschen Abenteurerin bin ich schon. Ich bin kein Sicherheitsdenker; schließlich hat Gott uns das ja nicht aufgetragen. Er ist unsere „Sicherheit“. Ich finde die vielseitige Pionierarbeit sehr spannend, auch wenn sie unbequem ist und Gefahr besteht, bei vielen, aber wichtigen Kleinarbeiten, das große Ziel aus den Augen zu verlieren. Und obwohl es einen „stetigen“ Teil in mir gibt, habe ich auch eine Seite, die immer mal wieder etwas Neues braucht, damit es mir nicht langweilig wird. Wichtig ist mir außerdem, Dinge nicht nur zu verwalten, sondern vorwärts zu gehen. Stillstand ist tödlich und bedeutet rückwärts gehen. Und gefallen hat mir gerade das an den Gründern von DS: Sie wollen etwas erreichen, glauben daran, dass ihr Projekt Gottes Sache ist und er ihnen hilft, sie zu verwirklichen. Trotz schwierigen Zeiten. Das Neue, Ursprüngliche an der Aufgabe finde ich total spannend. Noch ganz und gar auf Gott angewiesen zu sein.

Und was den Evangeliums-Rundfunk angeht: Er bedeutet mir sehr viel. Und dabei bleibt es. Der ERF wird für mich immer etwas Besonderes bleiben. Aber ich denke, nach fast zehn Jahren, die ich dem Werk zur Verfügung gestellt habe, ist einfach Zeit für eine neue Herausforderung.

DS: Ein gewisses Wagnis gehen Sie dabei schon ein. Betreiben Sie Risikosportarten wie Bungeejumping oder Drachenfliegen?

A.B.: In meinem letzten Urlaub hab ich mich mal im Paraglyding versucht. Ein wirklich geniales und unvergessliches Erlebnis, das ich gerne wiederholen würde. Ansonsten mag ich Pferde. Besonders liebe ich an ihnen, dass sie manchmal etwas ungestüm und unberechenbar sind. Insgesamt sind sie für mich das Edelste und Faszinierendste, was Gott geschaffen hat. Meinen Ausgleich finde ich bei regelmäßigen Ausritten in der Natur, beim Schwimmen und bei meinen Freunden. Und demnächst auch beim Spielen mit einem Welpen. Ich freue mich schon auf ihn.

DS: Waren Sie schon einmal in Südamerika?

A.B.: Ja, 1997 in Brasilien bei meiner Tante, die 35 Jahre dort in der Mission war.

DS: Falls Sie sich die Situation der Indianer im Hochland Perus ansehen sollten, werden Sie bestimmt auch das eine oder andere Meerschweinchen angeboten bekommen. Läuft Ihnen bei diesem Gedanken schon das Wasser im Munde zusammen?

A. B.: Hilfe, nur das nicht! Da werde ich lieber zum Vegetarier. Ich fürchte, da müsste ich etwas unhöflich sein …

DS: Was macht Ihrer Meinung nach das Projekt Diospi Suyana für potentielle Spender so attraktiv?

A.B.: Zum einen, dass DS so dicht am Menschen ist, so konkret hilft. Und das nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich. Und viele finden ganz bestimmt einen großen Anreiz darin, dass DS nicht „umerziehen“, sondern auch die Kultur der Indianer fördern will. Denn in der Geschichte gibt es ja genügend Beispiele, wo Ausländer mit ihren „guten Absichten“ Mission betreiben wollten und dabei das Gegenteil erreichten.

DS: Wie sehen Sie die Chancen, dass das Krankenhaus Diospi Suyana langfristig zumindest zum Teil über Spenden finanziert werden kann?

A. B.: Menschlich gesehen in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage schlecht. Die Leute sind sehr verunsichert und halten ihr Geld zusammen, denken verständlicherweise zuerst an sich und ihre Zukunft. Aber bei Gott ist kein Ding unmöglich. Er hat gezeigt, dass er DS will. Und deshalb wird er auch die Menschen schenken, die das Projekt zu ihrem persönlichen Anliegen machen und es finanziell unterstützen.

Nicht zu vergessen ist, dass das Leben eines jeden durch Spenden bereichert wird. Das verheißt uns Gott z. B. in der Bibel (Maleachi 3, 10). Er lässt sich gerne daran messen!

DS: Ja, in Deutschland herrscht vielerorts eine echte Krisenstimmung. Luther sagte einmal: Wenn morgen die Welt unter geht, würde er heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Welches Zeichen der Hoffnung würden Sie errichten?

A.B.: Diospi Suyana!

DS: Diospi Suyana heißt: Wir vertrauen auf Gott. Was bedeutet dieses Motto für Sie?

A.B.: Gott fordert uns heraus, Vertrauen zu leben. Das Motto erinnert mich täglich daran. Und spornt mich dazu an. Was mir von Natur aus nicht immer leicht fällt.

DS: Jetzt wissen wir wirklich mehr von Ihnen, vielen Dank für das Gespräch.


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