Warum ich den Glauben nicht schon längst über Bord geworfen habe

Es gibt nicht nur Unkraut

Ich kann gut verstehen, warum so viele Leute die Nase von Glaube und Kirche voll haben. Es ist die Kluft zwischen dem frommen Anspruch und der Wirklichkeit, die anwidert. Enthüllungen in den Medien legen nahe, dass es in den Gemeinden von scheinheiligen Moralaposteln wimmelt. Die empfundene Doppelmoral gibt Anlass zu Zynismus oder sarkastischen Witzen. Wenn sich ein katholischer Geistlicher zu ethischen Fragen äußert, lacht sich doch die halbe Republik schlapp. Und die 1000 unterschiedlichen Meinungen in der evangelischen Welt bieten für Außenstehende kaum Orientierung.

Gandhi soll gesagt haben, er würde gerne zum Christentum übertreten, wenn sich Christen fänden, die das lebten, was sie angeblich glaubten.

Die Evangelische Zeitung fragte: “Warum ist die Kirche sonntags nur so leer?”

Es sieht nicht gut aus auf dem Ackerfeld Gottes. Die Folge sind Kirchenaustritte als Massenphänomen, leere Gottesdiensträume und eine finanzielle Schieflage der klerikalen Verwaltungsstrukturen. Wo ist die Begeisterung der Christen über das, was sie vorgeben zu glauben? Wen treibt die Liebe Gottes noch auf die Straße, um die gute Nachricht weiterzusagen? Brauche ich wirklich Vergebung oder eher einen Psychotherapeuten? Und wer rechnet noch mit Himmel und Hölle? Ersteres eine billige Vertröstung auf den Sankt Nimmerleinstag und letzteres ein stumpfes Instrument der Einschüchterung aus dem Mittelalter. Oder etwa nicht?

Wer heute am christlichen Glauben festhält und damit eine kleine Minderheitsposition vertritt, fühlt sich genötigt nach Rechtfertigungen zu suchen. Erstaunlicherweise hat Jesus Christus diese “Chaostage” der Christenheit vor zwei Jahrtausenden schon prophezeit. Im 13. Kapitel des Matthäusevangeliums beschreibt Jesus ein Weizenfeld voller guter Saat. Der Feind taucht auf und sät heimlich Unkraut. Es dauert nicht lange und der Schlamassel wird offenkundig. Die Angestellten des Bauern reagieren verärgert über diesen Streich, doch der Besitzer des Feldes bleibt ziemlich gelassen. “Freunde, keine Panik”, erklärt er seine entspannte Haltung. “Wenn die Erntezeit ansteht, sortieren wir den Weizen und das Unkraut. Bis dahin behalten wir ruhig Blut!”

Die Bergpredigt. Eines der schönsten Dokumente der Weltliteratur

Man muss schon mit Scheuklappen herumlaufen, um das viele Unkraut in den Kirchen zu übersehen. Überall zeigt es sich. Leider auch in meinem eigenen Leben. Wer den Inhalt der Zehn Gebote kennt und die Bergpredigt gelesen hat, kann sich durchaus als Versager fühlen. Fazit: Ich schaffe es nicht diese Ideale umzusetzen. Stimmt alles, nichtdestotrotz wächst eine gewaltige gute Ernte heran.

Christen aller Konfessionen engagieren sich aus tiefster Überzeugung für die Kaputten, Ausgestoßenen und Gestrauchelten. Sie machen eine verdammt gute Arbeit. Sie trösten die Traurigen, lindern seelische Schmerzen und bieten aktive Lebenshilfe. Wer als Globetrotter durch die Länder der sogenannten 3. Welt reist, kann die christlichen Initiativen zum Wohl der Gesellschaft bald nicht mehr zählen. Auch Diospi Suyana leistet etwas, was vielen Peruanern als echtes AHA-Erlebnis anmutet: Moderne Medizin für die Ärmsten! 460.000 Patientenbesuche sind ein Fakt und kein Wunschdenken. Und die bisher über 200 Langzeitmissionare haben mit ihrem überzeugenden Einsatz schon eine lange Reihe säkularer Fernsehteams nach Curahuasi gelockt. Denn diese Männner und Frauen haben hart gearbeitet und dabei gleichzeitig viel Geld verloren. Der Grund: Spenden können niemals das Gehalt ausgleichen, das man zuvor in seinem Heimatland verdient hat.

Als ich vor 40 Jahren einer kirchlichen Jugendgruppe angehörte, sangen wir das folgende Lied: “Besser sind wir nicht, aber besser sind wir dran, Jesus macht uns frei, fängt neu mit uns an!” Genauso ist es.

Der Deckel ist zu. War’s das?

Millionen von Menschen zu allen Zeiten haben die Vergebung ihrer Sünden als totale Befreiung erfahren. Los von ihren Altlasten konnten sie endlich wieder tief durchatmen. Und wer bietet mir Geborgenheit in der Gegenwart, wenn nicht Gott? Haben Sie schon einmal eine Beerdigung von Atheisten besucht? Sie werden dort kein Fünkchen Hoffnung finden. Das harte Credo der Skeptiker lautet: Ein Zufallsprodukt verschwindet im Nebel der Sinnlosigkeit. Der Tod ist dunkel, kalt, unentrinnbar, unheimlich und brutal. Und dieses deprimierende Ende wird uns vielleicht schneller ereilen als wir denken.

Als Jesus am Kreuz starb, wurden noch zwei Terroristen neben ihm hingerichtet. Einer wandte sich dem Sterbenden in der Mitte zu und flüsterte: “Herr, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst!” Und Jesus antwortete: “Ich verspreche dir, noch heute Nacht wirst du mit mir im Paradies sein!”

Wenn Jesus auch an mich denkt und mir eine großartige Zukunft verheißt, dann werde ich meinen Glauben nie und nimmer auf den Müll werfen. Die Hoffnung, die Christus gepredigt und gelebt hat, ist großartig. Es gibt nichts Besseres. Außerdem finde ich die enorme Ernte des Glaubens genial. Auch wir bei Diospi Suyana bringen am Spital, an der Schule und im Medienzentrum gewaltige Erträge ein, von denen wir früher nicht zu träumen gewagt hätten. Wir tun dies nicht als Philanthropen, Humanisten oder Altruisten, sondern als Christen. Das Kreuz Christi und sein leeres Grab haben uns überzeugt.

Das Zehnjahresfest 2017. Auf der Bühne saß auch der Staatschef mit mehreren Ministern.

Beim Zehnjahresfest des Spitals am 31. August 2017 war auch Marco Zileri anwesend. Der damalige Chefredakteur der linksliberalen Zeitschrift “Caretas” – ähnlich aufgestellt wie der deutsche Spiegel – fasste einige Wochen später seine Eindrücke auf sechs Seiten zusammen. Zileri ein überzeugter Atheist fand die folgenden Worte:

“Im Ort Curahuasi ist Gott sichtbar, aber der Staat praktisch unsichtbar. Katholiken und Protestanten, Juden und Atheisten arbeiten ohne jegliche Gewinnorientierung mit diesem Missionskrankenhaus zusammen!” Und dann zitierte er eine Bemerkung, die ich zwischen Tür und Angel gemacht hatte: “Wir wollen Christus in unserem Leben erkennen und nicht bloß an ihn glauben. Deshalb arbeiten wir hier Tag für Tag und Jahr für Jahr. In der letzten Nacht (vor dem Fest) haben wir alle gebetet. Unser Kampf geht weiter!” /KDJ