Meine Überzeugung – derzeit in Westeuropa ein Minderheitsvotum

Das Lebensrecht des Föten darf nicht weniger wert sein als das Selbtbestimmungsrecht der Frau

In dieser Woche hat der Oberste Gerichtshof der USA mit einer Zweidrittelmehrheit das Roe- gegen-Wade-Urteil aus dem Jahr 1973 gekippt. Zukünftig obliegt es den 50 Bundesstaaten eigene Positionen zum Thema Abtreibung zu finden. In einigen Pressekommentaren wird diese Entscheidung wie ein Rückschritt ins dunkle Mittelalter dargestellt. Eine solche Beurteilung halte ich für völlig falsch!

Herbst 1988. Meine Frau arbeitete als Assistenzärztin an einem großen Klinikum in Cardiff. Sie hatte Nachtdienst und nahm gegen 19 Uhr in der Cafeteria des Spitals ihr Abendessen ein. Da gesellte sich eine junge englische Gynäkologin zu ihr. Es entspann sich ein kurzer Wortwechsel.

Martina: „Wir kämpfen auf der Neugeborenen-Intensivstation gerade um das Leben eines Babys, das in der 24. Schwangerschaftswoche geboren wurde. Hoffentlich kommt es durch!“ Gynäkologin: „Ich soll jetzt gleich bei einem Baby in der 23. Schwangerschaftswoche eine Abtreibung einleiten. Das finde ich so entsetzlich!“

Im Frühjahr 2016 führte ich in Johannesburg ein langes Gespräch mit Trevor Sampson. Der begnadete Musiker hilft seit vielen Jahren benachteiligten Jugendlichen in Südafrika. Er hat ein besonderes Herz für die Kinder auf der Straße, weil er selbst unter ähnlichen Bedingungen aufgewachsen ist.

Dass er noch lebt, grenzt fast an ein Wunder, denn seine alleinstehende Mama wollte, als sie ihn erwartete, die Schwangerschaft mit einem Abort beenden. Und dieser Eingriff hätte sie noch nicht einmal etwas gekostet. Ihre eigene Mutter, also Trevors Oma, war im Township für die Durchführung von Abreibungen zuständig. Sie verrichtete ihr Handwerk mit langen Stricknadeln. Sie tat dies effizient und gründlich und ohne große Gewissensbisse. Eines Tages lag die alte Frau in ihrer Hütte in den letzten Zügen. Die Szene hat sich bis heute in Trevors Erinnerung eingebrannt. Von ihrem Sterbebett aus schrie sie in den dunklen Raum hinein: „Die Kinder, die ich abgetrieben habe, sind alle hier und klagen mich an!“. Ihr Tod war grauenvoll.

Am Hospital Diospi Suyana möchten wir den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft beistehen, den entrechteten Quechua-Indianern genauso wie den unversicherten Landbauern. Und wer ist wehrloser und hilfloser als ein Embryo im Bauch seiner Mutter?

Abtreibungen sind an unserem Spital aus vier Gründen tabu

Die traditionelle ärztliche Ethik aus dem Hellenismus: Der Hippokratische Eid ist ein Dokument, das um 400 vor Christus entstanden sein dürfte. Seit über zweitausend Jahren haben Ärzte in der westlichen Welt seinen Inhalt als Richtschnur ihres ethischen Handelns verstanden. Bis auf den heutigen Tag leisten in vielen Ländern“ junge Mediziner diesen Eid zu Beginn ihrer ärztlichen Karriere. Darin heißt es: „… Ich werde niemandem, nicht einmal auf ausdrückliches Verlangen, ein tödliches Medikament geben, und ich werde auch keinen entsprechenden Rat erteilen; ebenso werde ich keiner Frau ein Abreibungsmittel aushändigen. Lauter und gewissenhaft werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren …!“

Die Position des Buchs der Bücher: Alle ehrenamtlichen Mitarbeiter bei Diospi Suyana sind überzeugte Christen. Und die Bibel macht deutlich, dass Gott der Herr über Leben und Tod ist. Die Liebe Gottes gilt jedem Menschen, nicht erst nach der Geburt, sondern schon während und sogar schon vor der Schwangerschaft. Die Worte des Propheten Jeremia gehören zu den wichtigsten Passagen der Weltliteratur. Er schrieb im ersten Kapitel seines Buchs: „Ich (Gott) kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest (Jer. 1,5)“. Der Autor des 139. Psalms singt: „Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war!“.

Das Post-Abortion-Syndrom (PAS): Die seelischen Kurz- und Spätfolgen der Abreibung sind umfangreich. Die häufigsten Symptome, unter denen Frauen nach einer Abreibung leiden, reichen von starken Schuldgefühlen und Depressionen bis hin zu Albträumen und Selbstmordgedanken. In einer Analyse des Elliot Insitute fühlten nur 5,1 Prozent der 260 Befragten einen inneren Frieden.

Prozentangaben schwanken von Studie zu Studie. Wichtig ist mir der Hinweis, dass seelische Belastungen nach Abtreibung bei unzähligen Frauen einen großen Leidensdruck auslösen.

Die Gesetzeslage in Peru: In Peru sind Abtreibungen illegal. Es gibt nur wenige Ausnahmen, wenn beispielsweise das Leben der Mutter in Gefahr ist.

Im sogenannten christlichen Abendland bemühen wir uns, die Frösche und Kröten auf den Straßen zu schützen. Und andererseits tun viele so, als sei ein Embryo nur ein Klumpen Eiweiß mit DNS-Einschlüssen. Wussten Sie, dass 97 Prozent der Babys zum Zeitpunkt ihrer Geburt völlig gesund sind?

Leider versuchen viele Meinungsmacher, in der öffentlichen Diskussion Abtreibungsgegner als religiöse Fanatiker abzustempeln. Abreibungsbefürworter werden als modern, verständnisvoll, zeitgemäß und demokratisch dargestellt. Abtreibungskritiker gelten in diesem Schwarz-Weiß-Denken hingegen als intolerant, unmodern, undemokratisch und radikal. Ich verfolge diese Entwicklung mit großer Besorgnis. (Auszug aus dem Buch: Auf dem Wasser laufen). /KDJ

1 Antwort
  1. Uli

    Klaus, ich finde dennoch, dass eine Frau unter bestimmten Umständen das Recht haben muss, über ihren Körper zu entscheiden. Es darf meiner Meinung nach auch nicht sein, dass das Leben der Frau weniger wert ist als das des Ungeborenen. Selbstverständlich darf eine Abtreibung nur Ultima Ratio sein und an strenge Regeln gebunden. Und selbstverständlich darf sie kein “Ersatz” für Verhütung sein. Aber die Frauen in die Illegalität und zu den Stricknadel-Praktikerinnen zu treiben, ist ebenso keine Lösung.