Kofferschicksale

Bei all den Strapazen unserer Reisen vergessen wir allzu leicht das schwere Los unserer Koffer. Sie schleppen die vielen Kilos, die wir selbst nicht tragen möchten. Außerdem werden sie oft noch unsanft behandelt. Nicht selten weiß das Personal am Flughafen nicht wohin die Gepäckstücke gehören. Die Koffer auf ihrer langen Fahrt durch fensterlose Förderkanäle tappen da ebenfalls im Dunkeln. Da stellt sich schnell die philosophische Sinnfrage.

Meine Koffer wurden in Frankfurt korrekt eingecheckt und mit der TAM nach Sao Paulo befördert. Mit einem Flugzeug der TACA sollte es von Brasilien aus nach Lima weitergehen. Aber am TACA-Schalter konnte man mit meinem Ticket wenig anfangen und eine Dame schickte mich von Terminal 2 zu Terminal 1 mit dem Hinweis, vielleicht würde TAM mir helfen.

  

Als ich mit zwei Stunden Verspätung glücklich in eine neue Maschine einstieg hatte man meine armen Koffer mittlerweile von TACA zur TAM und dann zur Lan weitergereicht. Mir ging es ja ähnlich, aber ich konnte mich mit einem Saft und Sandwich wenigstens wieder etwas frisch machen im Gegensatz zu meinen Koffern.

In Lima tickte die Uhr. Aber in nur 29 Minuten hatte ich die Polizeikontrolle, das Gepäckband, den Zoll, das Einchecken bei Lan, die Bezahlung der Flughafengebühr und zwei weitere Kontrollen hinter mich gebracht. Erschöpft brachte man mich und meine Behältnisse schnell und sogar nach Plan im Flugzeug 029 unter. Kaum saß ich auf meinem Fensterplatz, schlief ich auch gleich ein. Als ich erwachte, merkte ich, dass alle Fahrgäste wieder ausstiegen. Eine Schlecht-Wetterfront über Cucso mache eine Landung dort unmöglich und einen Start deshalb in Lima sinnlos. So oder ähnlich hätte es der Pilot gesagt. Wir sollten uns alle in Geduld fassen. Auch mein Reisegepäck musste folglich den Standort wieder wechseln.

Mit der letzten Maschine ging es dann doch noch in die Berge und am Abend im Auto nach Curahuasi. Meine Familie erwartete mich freudestrahlend, doch meine Koffer schob ich nach dem Auspacken in eine Ecke. Der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan und konnte abtreten.