
Und wie hoch sind die Erfolgschancen?
Die Halsentzündung habe ich aus Peru mitgebracht. Und nach dem Vortrag im Schwarzwald am Freitagabend bin ich eigentlich stimmlich so ziemlich erledigt. Samstagmittag. Ich melde mich bei meiner Frau Tina in Curahuasi. Sie kann kaum reden, denn es hat sie genauso erwischt wie mich. Am liebsten würde ich ihr ein sofortiges Ausgangsverbot auferlegen, aber ich kenne sie lange genug, um zu wissen, dass sie auf mich nicht hören würde. Der Wagen ist gepackt und in wenigen Augenblicken will sie mit anderen Freiwilligen über die Berge nach Abancay fahren, um im Gefängnis einen medizinischen Einsatz durchzuführen. Hm, wenn meine Frau so hart im Nehmen ist, kann ich mich nicht als Weichei ins Bett legen.
Zwei Stunden später erreiche ich eine Kirchengemeinde in Karlsruhe. Marktgraf Karl III, durfte hier im 18. Jahrhundert ruhen, ich leider heute überhaupt nicht. Der Laptop ist verkabelt und mit Hilfe eines Micros mache ich mich den Zuhörern halbwegs verständlich. Auch die Rabenvögel krächzen und haben dabei ihr Lebensrecht. Diese Erkenntnis macht mir Mut.
Viele Fragen werden gestellt und 15 Minuten zu spät heult der Motor meines Wagens auf. Die nächste Station in Lörrach ist für Headhunter Klaus von entscheidender Bedeutung. Ich drücke aufs Gas und schaffe es um kurz nach 18 Uhr in die Stadt am Fuße des Schwarzwaldes. Das Telefon klingelt. Eine junge Ärztin – meine Gesprächspartnerin – ist eingetroffen. Nach einer dreistündigen Zugfahrt wird sie von mir das Jobangebots ihres Lebens erhalten. Ich will etwas in den Hörer sprechen. Vergeblich. Es ist oberpeinlich, aus meinem Mund kommen seltsame Laute. Aber sie versteht wohl, dass ich irgendwie noch aufkreuzen werde. Wer eine Telefontaste drücken kann, ist noch nicht tot.
Der Ort eine Kirchengemeinde in der Stadt. Der Pastor macht uns einen Tee und das rechne ich ihm hoch an. Und wieder fahre ich meinen Laptop hoch. Es ist ein zaghafter Versuch, der jungen Ärztin aus dem Süden eine spannende Geschichte in Peru schmackhaft zu machen. Sie hat nämlich genau den Facharzt, den wir dringend brauchen. Doch leider kann ich ihr nichts anbieten. Kein überdurchschnittliches Gehalt, keine großzügige Urlaubsregelung und noch nicht einmal ein sicheres und luxuriöses Umfeld. Meine Offerte besteht aus dem Posten einer Missionsärztin mit so gewaltigen Gehaltsverlusten, dass einem geradezu schwindelig wird. Für diesen Wahnsinn saß sie stundenlang im Zug und wird nach unserem Gespräch in der Nacht quer durch die Alpen nach Hause fahren. Headhunter Klaus steht in der Tat mit leeren Händen und Taschen da.
Doch ein Hoffnungsschimmer bleibt immer. Die Fachärztin mit internationaler Erfahrung hat sich nämlich lange Zeit gefragt, ob es Gott und damit einen Lebenssinn wirklich geben könnte. Einige wundersame Begebenheiten in ihrem Leben veranlassten sie, voll und ganz mit Gott zu rechnen. „Ich werde darüber nachdenken und beten!“ Sagt mir die Kollegin. „Stellen Sie sich vor“, antworte ich, „als ich Karlsruhe verließ, bat ich die Mitglieder der Kirchengemeinde das gleiche zu tun. Für unser Treffen zu beten. Und zwar richtig feste. Denn wir brauchen Sie in Peru total dringend!“
Gegen 21 Uhr bringe ich sie zum Bahnhof und brause nach Norden. Um halb eins, bin ich wieder am Ausgangspunkt meiner Reise. Die kleine Dachwohnung im Wiesbadener Westend ist kalt und ungemütlich. Sofort rufe ich meine Frau an. Doch ich kann sie nicht verstehen. Dass ihr Hals nach dem Gefängnisbesuch schmerzt wie ein Reibeisen, höre ich deutlich über 10.000 Kilometer hinweg. Wahrscheinlich geht es ihr genauso wie mir. Denn zumindest, was meine Halsentzündung betrifft, kann ich heute mit ihr mithalten. „Wir müssen sofort ins Bett!“ Ausnahmsweise sind sich meine Frau und ich einmal einig.
Über WhatsApp empfange ich eine Nachricht von der Ärztin. Sie sitzt in der Bahn irgendwo im Herzen der Alpen. „Danke für Deine Erzählungen trotz Angina und verlorener Stimme!“ So textet sie höflich und nett. Aber ob dieser Spezialeinsatz vom Talentsucher Klaus ausreichen wird, um die Kollegin nach Peru zu locken? Nur Gott weiß es. Aber beten lohnt sich immer und das Prinzip Hoffnung auch! /KDJ











