Eine völlig unerwartete Hürde

Mann muss auf alles vorbereitet sein

Die Nachricht spät am Donnerstagabend ist gut: 26 Vorträge haben Ruth Voigt und Freunde in die kommenden drei Wochen gepackt. Bis jetzt, Tendenz steigend. Mein Covid-Test ist negativ und mit dem Gefühl, dass alles paletti ist, kann ich im Gästehaus unserer Mission einschlafen.

Der Taxifahrer steht pünktlich vor der Tür und bringt mich zum Flughafen. Eine knappe Stunde dauert die Fahrt, für einen Vormittag keine schlechte Zeit. Ich steige aus und gehe nach hinten zum Kofferraum. Es knackt im Gehäuse, einmal, zweimal dreimal. Die Tür bleibt zu wie der Panzerschrank der Zentralbank.

Der Fahrer wird nervös und fummelt an seinem Handy herum. Wie ich gleich merke, ist ihm das Problem nicht unbekannt. Als nächstes will er den Rücksitz ausbauen, um an meine drei Koffer, die in den Tiefen seines Fahrzeugs verborgen sind, heranzukommen. Es fehlt der richtige Schraubschlüssel. Mit einem Mal ist mein Steuermann, diese treue Seele, verschwunden. Jetzt wird es mir ungemütlich zu Mute.

Es dauert nicht lange und die Polizei ist bei mir. “Meine drei Koffer sind da drinnen und mein Taxifahrer ist weg!” Auch für einen erfahrenen Gesetzeshüter ist das eine ziemlich neue Fragestellung. Zehn Minuten später erscheint der vermutliche Fahrzeugbesitzer wieder auf der Bildfläche. Der Schraubschlüssel in seiner Hand weckt selbst bei mir Glücksgefühle. So sieht wahre Hoffnung aus. Gemeinsam schaffen wir es die Rückbank zu entfernen. Aber der Gastank dahinter versperrt uns den Zugang zum wertvollen Inhalt des Kofferaums.

Machen wir es kurz, einer Truppe von Taxifahrern und Polizisten gelingt nach 40 Minuten doch das schier Unmögliche. “Sesam öffne dich!” – Der Deckel hebt sich und zum Vorschein kommen drei Gepäckstücke. Sie sind mein Ticket nach Brasilien. Meine Hände schießen an die Griffe der Koffer. Nichts wie weg.

Aus Sao Paulo meldet sich Louis Fischer mit einem Bild. Die Bücher auf Portugiesisch sind rechtzeitig bei ihm eingetroffen. Genial. Jetzt nur noch ins Flugzeug einsteigen und nach fünf Stunden wieder aussteigen. So einfach kann Reisen sein.

40 Minuten Kampf: Wie kommt man an den Kofferraum? Der Taxifahrer versucht auf der anderen Seite sein Bestes.
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