Eine Familie, die mir mächtig imponiert

Der Überraschungsbesuch am Montagmorgen

Unsere Verwaltungsleiterin teilt mir mit, da seien zwei Personen aus Lima aufgetaucht, die gerne das Krankenhaus kennenlernen würden. Fünf Minuten später sitzen sie bei mir im Büro am Tisch. Während ich den Beamer aufbaue, frage ich die Dame: “Sind Sie gerade in Cusco, um sich Sehenswürdigkeiten anzuschauen?” – “Nein”, sagt die Frau bestimmt, “wir flogen nach Cusco in der Absicht das Hospital Diospi Suyana zu sehen!”

75 Minuten später steht das letzte Bild der Präsentation auf der Leinwand. Ich wende mich wieder an die Besucherin: “Erzählen Sie doch mal von sich. Wie ist Ihr Leben?” – Sie räuspert sich und sucht nach Worten.

“Ich wuchs in der Nähe der Stadt Oroya in den Bergen auf. Zuhause herrschte bei uns die Armut. Schon als 14-jährige fragte ich nach dem Sinn des Lebens!” Die Peruanerin redet leise und bescheiden, aber dafür umso glaubwürdiger. “In unserer Nähe gab es eine Kirche”, fährt sie fort, “die Leute drinnen sangen und beteten mit großer Hingabe. Eines Tages ging ich einfach hinein und setzte mich hinten in die Reihe, um dem Gottesdienst zu folgen!”

Aufmerksam höre ich ihr zu. “An diesem Tag habe ich mich bewusst für ein Leben mit Gott entschieden!” – “Aber sie hatten doch vom Christentum so gut wie keine Ahnung, nicht wahr? Ich bin ein wenig skeptisch.  – “Ja, das stimmt, aber trotzdem bin ich seit jenem Tag eine überzeugte Christin!”

Dieses Erlebnis in der Kindheit ist Jahre her. “Es geht uns wirtschaftlich gut”, erläutert die Unternehmerin nun den Grund ihres Besuchs. “Wir wollen Diospi Suyana im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen. Deshalb sind wir heute hier!” Ich bin ziemlich verblüfft. Und noch einen Satz schiebt sie nach: “Wir wollen über den Glauben nicht viel reden, sondern ihn einfach leben!”

Ich wende mich an ihren Sohn: “Teilen Sie diese Überzeugung ihrer Mutter?” – “Ja, absolut!” Auch der junge Mann fasst sich kurz und knapp.

Nach der Führung durch das Spital trennen sich unsere Wege. Gut drei Stunden habe ich mit den lieben Gästen aus der Hauptstadt verbracht. “Irgendwann sagte die Frau in ihrer ruhigen Art: “Diospi Suyana stärkt meinen Glauben an Gott!” – Und ich dachte im Stillen: “Und Ihr Leben ermutigt meinen!” – Gute Reise. /KDJ