Eine böse Überraschung

Schlaftrunken erscheine ich morgens um 4 Uhr am Schalter von Lan Peru. Wie immer ist am Flughafen in Lima viel los, aber wenn alles gut läuft, bin ich um halb Zehn in Curahuasi.

Irgendetwas ist oberfaul, denn die Angestellte verschwindet für gute 10 Minuten mit meinem Ticket.

Endlich taucht sie wieder auf. “Ihr Ticket wurde gesperrt. Es sieht so aus, dass Ihre Agentur mit einer gestohlenen Kreditkarte bezahlt hat!” – Prost Mahlzeit!

Zwei Tage zuvor hatte ich das Geld für den Hin- und Rückflug dem Agenten am Flughafen in Cusco bar in die Hand gedrückt.

Ich kaufe also ein neues Flugticket und schaffe es sogar noch über die Warteliste einen frühen Flug zu erwischen.

Um 7 Uhr steige ich in Cusco aus. Mir nichts dir nichts läuft mir plötzlich der besagte Agent über den Weg. Unter einem Vorwand lasse ich mir erst seine Anschrift und Telefonnummer geben. Jetzt rücke ich mit der Wahrheit heraus:

“Wir gehen jetzt gleich zur Polizei, denn Sie haben mein Geld nicht an die Airlines weitergeleitet. Stattdessen haben Sie mit einer wohl gestohlenen Kreditkarte bezahlen wollen!”

J. H. wird ganz nervös. “Wir können sofort zu meinem Haus fahren, ich gebe Ihnen das Geld natürlich zurück!”

Kaum habe ich die Geldscheine in der Hand, geht die Fahrt weiter zum Polizeibüro. Offiziell erstatte ich Anzeige wegen Kreditkartenbetrug.

Den Polizisten zeige ich erst einmal im Laptop einige Bilder vom Spital und von unserem Treffen mit dem Staatspräsidenten. Die kleine Präsentation ist als Warnung gedacht, damit die Sache nicht einfach mit Schmiergeldern aus der Welt geschafft wird.

J. H. beteuert seine Unschuld. “Eine Dame namens M. hat die Transaktion durchgeführt!”

Da J. H. auf seinem Handy kein Guthaben mehr hat, rufe ich besagte Frau M. an: “Am besten Sie kommen augenblicklich zur Polizei, sonst müssen wir Sie abholen lassen!”

Frau M. will mit der ganzen Sache nichts zu tun haben, die Bezahlung sei von einem Büro in Lima erfolgt. Diese Leute kenne sie gar nicht.

Das Aufsetzen der Anzeige braucht seine Weile. Fast drei Stunden dauert der ganze Vorgang. Mir tut eigentlich jede Minute Leid, aber ich will den Spitzbuben das Handwerk legen.

“Können wir uns nicht privat über diese Angelegenheit einigen?” Ich lehne das Angebot der beiden Ganoven ab und bleibe hart.

“Nein, wir werden den ganzen Vorfall von der Polizei und wenn nötig vom Fernsehen untersuchen lassen!”

Überraschungen dieser Art sind besonders unangenehm, wenn sie sich um 4 Uhr in der Frühe ereignen. KDJ