Ein Tag im roten Bereich

Als ich morgens aufwache, steckt mir irgendetwas in den Knochen. Aber was soll’s, ein neuer Tag ist eine neue Chance.

Per Emails verschicke ich einige Einladungen an drei Vertreter des Gesundheitsministeriums. Am nächsten Montag findet am Spital ein ganz besonderes Ereignis statt von dem wir auf der Web-Seite noch berichten werden.

Der Antrag für die Firma Aceros Arequipa ist relativ schnell geschrieben und ich bin bald auf der Suche nach dem ersten Taxi.

Im Stadtteil Miraflores druckt ein Farblaser mein Dokument von 7 Seiten aus. Die Qualität ist gut, immerhin geht es um die Bitte einer Sachspende von 3 Tonnen Stahl im Wert von etwa 7000 USD. Die Stahlstäbe sollen die Zementierung der Straße um das Krankenhaus herum verstärken.

Im zweiten Taxi geht die Reise weiter in die Hafenstadt Callao. Bei „Aceros Arequipa“ gebe ich die Unterlagen im Eingangsbereich ab, in der Hoffnung, dass mein Schreiben in den nächsten Tagen die Chefsekretärin erreichen wird. Taxi Nr. 3 bringt mich in nur 20 Minuten zum Höhepunkt des Tages.

Um 12 Uhr betrete ich das Firmengelände von Neptunia. Seit zwei Jahren lagert und transportiert das Unternehmen alle Container für Diospi Suyana umsonst. Rund 100.000 USD hat das Unternehmen bislang für Diospi Suyana investiert. Nun hat sich der Generaldirektor etwas Neues ausgedacht. Ein Bildband mit 120 Seiten soll die Geschichte von Diospi Suyana anschaulich wiedergeben. Immerhin 3000 Exemplare werden dann Führungskräfte im ganzen Land mit der Arbeit des Missionsspitals bekannt machen.

Am Tisch sitzen ein Fernsehproduzent und Autor, ein Fotograph, eine PR-Agentin, ein Direktor von Neptunia und ich selbst. Für den März 2009 wird das Erscheinungsdatum angepeilt.

Vor dem Sprung nach draußen, bitte ich den Personaldirektor von Neptunia noch uns beim Transport der insgesamt 2800 Zementsäcke zu helfen. Der Transport mit vier Sattelschleppern würde das Budget des Spitals mit gut 12.000 USD belasten. Eine Transportspende wäre da schon besser.

Taxi Nr. 4 bringt mich zum Pharmaunternehmen “Medifarma” Hier kann ich Medikamente im Wert von 10.000 USD abholen und mit einem weiteren Taxi (Nr. 5) zu einem Busbahnhof im berüchtigten Victoria-Viertel bringen. Der ganze Akt dauert drei Stunden und ich bin schon viel zu spät für mein Treffen mit Sr. Jimenez von der Mercedes-Firma Dive Motors. Auch während der nächsten Reise bleibe ich dem Taxifahrer 5 treu.

Um halb Fünf betrete ich den Empfangsaal von Dive Motors. Eine wunderbare Überraschung erwartet mich, der Rettungswagen leuchtet in den korrekten Farben von Diospi Suyana. Einige Fotos und eine Besprechung über die Abwicklung der Spende folgen.

Es ist 17:10 und es gelingt mir Taxi-Fahrer Nr. 6 davon zu überzeugen, dass 50 Soles (12 Euro) völlig ausreichen um mich zur Zementfirma “Cementos Lima” und danach zurück in die Hauptstadt zu fahren. Es handelt sich sicherlich um 40 Kilometer, aber tatsächlich der nette Herr ist mit meinem Plan einverstanden.

Es wird schon dunkel als mir eine Mitarbeiterin der firmeneigenen Stiftung eine Reihe von Schriftstücken aushändigt, die Diospi Suyana in der nächsten Woche die erste Lieferung von 1400 Sack Zement ermöglichen werden.

Nun steht mein Taxifahrer vor der eigentlichen Herausforderung des Tages. Im Abendverkehr (Hora Punta) muss er mich nach Möglichkeit in weniger als 90 Minuten nach San Miguel bringen. Dieser Distrikt liegt im Norden und also mindestens 30 km von Atocongo (Sitz der Zementfirma) entfernt.

Eigentlich bin ich für so eine Aktion viel zu müde, aber seit 5 Monaten haben die Zollagentur Prosoi gemeinam mit mir alles versucht um die Nummernschilder für unseren Unimog-Lastwagen zu erkämpfen. Nach einem Vortrag beim Chef aller Melderegister unter Vermittelung des Gesundheitsminsters gab es schließlich Erfolg auf der ganzen Linie.

Um kurz vor 21 Uhr bin ich wieder zurück in Surco. Die Nummernschilder sind sicher in meiner Tasche verwahrt. Damit endet ein langer Kampf mit den peruanischen Behörden.

Bevor der Supermarkt Wong schließt, gelingt es mir noch schnell einige Tafeln Schokolade für die Kinder in Curahuasi aufzutreiben.

Um Mitternacht ist die Web-Seite bearbeitet und mein lieber Taxifahrer für 3 Uhr in der Frühe bestellt.

Es war zwar ein Tag im roten Bereich, aber es bleibt ein Gefühl tiefer Dankbarkeit.

KDJ