Ein persönliches Gespräch im Taxi

Die Taxifahrer in Lima sind meine besten Freunde. Zehntausende Bürger der peruanischen Hauptstadt verdienen sich mit Fahrdiensten ihren Lebensunterhalt. Während meiner hektischen Aktivitäten lerne ich am Tag zwischen 7 und 10 Vertreter dieser ehrbaren Zunft kennen.

So gegen 14 Uhr steige ich wieder in eines der kleinen fliegenden Taxis. Von der Innenstadt bis zum Kreisel Quiñones in San Isidro vergeht fast eine halbe Stunde. Es wird nicht langweilig, denn mein Chauffeur erzählt aus seinen Leben. Er sei überzeugter Christ und der Glaube sei ihm wichtig.

"Seit wann sind Sie Christ?" Meine Neugier ist geweckt.

"Seit 10 Jahren!" Es macht dem jungen Mann neben mir nichts aus über persönliche Dinge zu reden.

"Warum sind Sie Christ?" Ich will es jetzt genau wissen, als ob ich einen Artikel für die Bildzeitung vorbereiten müsste.

"Ich führte ein normales Leben wie jeder andere auch. Ich hatte meinen Beruf, eine Freundin und alles ging seinen Gang. Doch wenn ich ganz alleine war, fühlte ich mich unendlich leer. Manchmal habe ich dann sogar geweint. Dieses Vakuum in mir machte mich fix und fertig!"

Schweigend blicke ich zu meinem Gesprächspartner rüber, der seinen Wagen routiniert durch die Straßen manövriert.

"Eine ältere Dame lud mich in einen Gottesdienst ein, immer und immer wieder. Irgendwann bin ich dann wirklich in ihre Kirche gegangen und ich wurde im Laufe der Zeit ein völlig neuer Mensch!"

Wir sind am Ziel angekommen. Wie vereinbart zahle ich 10 Soles (2 1/2 Euro) und verabschiede mich. Mein Wegbegleiter für 25 Minuten hat nichts gegen ein Foto einzuwenden. Es sei für eine Web-Seite murmele ich und schlage die Autotür zu. – Ich werde ihn hier auf Erden wohl nie wiedersehen. Aber im Himmel reden wir weiter. /KDJ

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