Ein Diospi-Suyana-Antennenturm für die Provinz Puno

Chris und Doris Messungen slider

Eine Aufgabe für Detektive

Wo steckt Carmencita Sardón? Aus halbwegs sicherer Quelle haben wir erfahren, dass diese Dame die Inhaberin des Antennenberges vor Puno ist. Er heißt Llallanuani und wir können den Namen kaum aussprechen. Ein Kontaktmann nennt uns eine Straßenecke, wo wir weitere Informationen über die besagte Señora erhalten könnten. Donnerstagmorgen, die meisten Läden in Puno sind noch geschlossen. Wir klopfen an die Haustüren und stellen immer wieder die gleiche Frage: “Kennen Sie Sra. Sardón? Und haben sie ihre Telefonnummer?” Die meisten zucken nur mit den Schultern. “Ja, ein Haus an der Ecke gehöre tatsächlich ihrer Familie!” Mehr können wir leider nicht herausfinden.

Die Zeremonie im Rathaus dauert 90 Minuten. Im Anschluss an den Festakt meint ein Beamter, dass Sra. Sardón mittlerweile in Arequipa lebe. Das sind keine guten Nachrichten, denn Arequipa liegt gut sechs Stunden von Puno entfernt.

Um vier Ehrenurkunden und zwei Verdienstmedaillen schwerer kehren wir an die besagte Straßenecke zurück. Sie wird für uns zu einer Sackgasse, denn plötzlich kann uns niemand mehr irgendwelche näheren Aussagen zu Sra. Sardón machen. Auch das Haus, das ihr angeblich gehören soll, ist plötzlich unklar. Was machen wir?

In einem Internetladen kommt ein Unbekannter auf uns zu. “Klingeln sie an der Tür nebenan”, sagt er und verschwindet wieder in seinem Geschäft. Wir klopfen und klingeln. Eine ältere Frauenstimme meldet sich. Doch dann verstummt sie. Offensichtlich will sie uns nicht öffnen. Für uns ist damit das Ende der Fahnenstange erreicht.

“Was wollen sie?”, fragt eine junge Dame, die unvermittelt hinter uns steht. Unglaublich, sie ist eine Verwandte von Sra. Sardón und kommt gerade “zufällig” nach Hause. In Null Komma nichts haben wir den Sachverhalt erklärt. Drei Minuten später sind wir stolze Besitzer der Telefonnummer und der Adresse von Carmencita Sardón. Sie wohnt doch in Puno und um 14 Uhr will sie uns empfangen.

Am Nachmittag halten wir ihr und ihrem Sohn einen Privatvortrag über Diospi Suyana. “Ja, wir kennen Diospi Suyana aus dem Fernsehen und der Presse!” Die Sardóns sind auf Diospi Suyana gut zu sprechen. Ihre Nachbarin habe sich schon am Missionsspital operieren lassen. “Morgen treffen wir uns um 8 Uhr auf dem Berg”, sagt Sra. Sardón, “dann können sie sich ein Gelände aussuchen!”

Freitagmorgen. Ein Ingenieur, den wir am Vortrag im Rathaus kennengelernt haben, kommt gleich mit. Er wird mit einem befreundeten Architekten in Windeseile den Plan für den Kaufvertrag im Notariat zeichnen. Auf 4.098 m finden wir das passende Grundstück. Es hat 144 m² und liegt günstig. Chris Welch führt im Laptop noch einige Messungen durch und nickt. “Der Platz ist gut”, meint er und klappt den Deckel des Computers wieder zu. Eine Viertelmillion Menschen werden über unsere Antenne in Puno das Radio von Diospi Suyana einmal hören können.

Für 12:30 Uhr sind wir beim Notar verabredet, doch wo bleiben die Ingenieure? Wie wir hören zeichnen sie noch an den Plänen und haben Probleme mit einer langsamen Internetverbindung. Dann hängen sie im Verkehr fest. Im Büro steigert sich die Dramatik. Um 13:30 Uhr beginnt die Mittagspause und die endet erst um 16 Uhr. Aber wir müssen heute noch mindestens 9 Stunden im Auto fahren. Jemand reißt die Tür auf. Der Notarbeamte wird von seinen Kolleginnen mit Rasierschaum bis zur völligen Unkenntlichkeit eingesaut. Heute ist Karneval und alles ist erlaubt.

Stefan Seiler tätigt in Curahuasi per Blitzüberweisung die vereinbarte Summe. Sra. Sardón entschwindet mit Doris Manco, um ihre Verkaufssteuer zu bezahlen. Ich halte zu den beiden ständigen Telefonkontakt. Als sie in der Banco de Crédito endlich vorne am Schalter stehen, fehlt das entsprechende Formular. Das  darf doch nicht wahr sein. Mit Doris eilt Sra. Sardón nun zum Finanzamt, um sich ein entsprechendes Dokument aushändigen zu lassen. Der Zeitdruck steigt wie die Temperatur draußen auf der Straße. Ob die Transaktion in der nächsten Bank geregelt werden kann?

Ich blicke ständig auf meine Uhr. “Ruhig Blut”, meint Udo Klemenz und bleibt gelassen. Ich bin aber noch keine 74 Jahre alt und darf mich durchaus noch aufregen.

Gegen 14:30 Uhr tauchen alle bzw. alles auf. Die Verkäuferin des Grundstücks, die Belege über unsere Überweisung, die bezahlten Steuern, die Ingenieure mit dem Lageplan und die Notarin. Der Rest ist eine reine Formsache.

Wir verhandeln noch mit Vertretern zweier Baufirmen über die Fundamentarbeiten. Dann holen wir die Koffer im Hotel ab und befinden uns bald wieder auf der Heimreise. 550 km sind es von Puno bis nach Curahuasi. An einer Tankstelle halten wir an und sprechen reihum ein Dankgebet. Auf Deutsch, Englisch und Spanisch. Mit Gottes Segen haben wir ein ausgezeichnetes Ergebnis in einer Rekordzeit erreicht – trotz Karneval. Um kurz vor 1 in der Nacht fahren wir in die Welthauptstadt des Anis ein. Curahuasi. /KDJ

Vortrag bei Sardon
Ein Vortrag im Wohnzimmer.
Udo auf Antennenberg slider
Wer den Mann mit Schlapphut noch nicht kennt, dem ist nicht mehr zu helfen. Im Hintergrund die Stadt Puno.
Puno vom Plakat slider 1
Puno am Titicacasee auf einem Plakat im Hotel
Notarbeamter slider
Der Notarbeamte wird Opfer einer Karnevals-Attacke seiner Mitarbeiterinnen.
Unterschrift Carmencita Sardon slider
Sra. Carmencita Sardón unterschreibt den Vertrag. Der Notarbeamte (rechts) sieht wieder aus wie ein Mensch.
Klaus unterschreibt slider
Dr. John unterschreibt das Dokument. Bald geht es wieder zurück nach Curahuasi – 550 km.
2 Kommentare
  1. Israel Ojeda Sardon

    Saludos Klaus,Udo, Chris, Doris….y felicitarlos por la gran labor que realizan…

  2. Sybille Scharrer

    Also langweilig wird es Euch ja nicht 🙂
    Immer abenteuerlich Eure Aktivitäten.
    Und “toll” wie GOTT hier Geschichte schreibt!
    Eine gesgnete und ruhige Woche noch.

    Herzlichen Gruß aus Franken (Bayern 🙂 ) Sybille

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