Die brutale Wirklichkeit oder der Kampf ums Überleben

Es ist Samstagmorgen und als Frühsport besteige ich den Hausberg von Curahuasi. Schon beim Aufstieg fallen mir eine Frau und ein Mädchen auf, die viele Plastikflaschen in große Säcke stopfen. Ein Baby steht daneben und weint. Beim Abstieg eine Stunde später kann ich meine Neugier nicht mehr zügeln.

„Was machen Sie hier eigentlich?“ Meine Frage wird sogleich beantwortet.

„Wir sammeln Plastikflaschen, die am Berghang herumliegen!“

„Und was machen Sie denn mit dem ganzen Plastik?“, will ich wissen.

„Wir verkaufen die leeren Flaschen im Ort und kriegen 1 Sol pro Sack!“

„Wie viele Stunden werden Sie heute Flaschen sammeln?“ – „Fünf!“

Ich wünsche den beiden noch einen schönen Tag und versichere ihnen, dass ihre Arbeit wichtig ist. Auf dem Weg ins Tal habe ich Zeit in Ruhe den Stundenlohn der beiden Sammler auszurechnen.

Vier Säcke mit Flaschen ergeben 4 Soles (1 Euro). Zwei Personen arbeiten fünf Stunden lang. Für den langen Vormittag erhalten sie umgerechtet 0,1 Euro pro Person und pro Stunde.

Am Flughafen in Cusco habe ich mir neulich drei Schokopralinen für 3 Soles gekauft. Zwei Minuten später waren sie in meinem Magen verschwunden. Gibt es auf dieser Erde irgendwo Gerechtigkeit? /KDJ