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Radio Diospi Suyana

Das Beste sind die Plätzchen

In Peru jagt eine Regierungskrise die nächste

Die Überschrift des Comercios, der wichtigsten Zeitung Perus, bringt es auf den Punkt: “Guido Bellido verlässt die Präsidentschaft des Ministerrats nach 69 Tagen des Chaos!” Nach nur zwei Monaten musste der Premierminister auf Druck des Staatschefs Pedro Castillo seinen Rücktritt einreichen. Er hatte sich mit den anderen Ministern gezofft, im Geheimen gegen den peruanischen Präsidenten intrigiert und den Kongress herausgefordert. Nebenbei hatte er mit seinen Drohungen ein großes Unternehmen zu verstaatlichen den Kurs des Soles nach unten gedrückt und die Wirtschaft kräftig geschwächt.

Am Zeitungstand in Nähe unseres Gästehauses kriege ich den allerletzten “Comercio” – den vom Aushang nämlich – überreicht. Dazu erhalte ich von der Verkäuferin noch eine große Plätzchenpackung gratis dazu. Eine Werbemaßnahme der Zeitung. Im Supermarkt dürften diese Plätzchen mehr als 2 Soles kosten. Also ist die geschäftliche Transaktion für mich ein richtiges Schnäppchen. Damit hört es mit den guten Nachrichten aber auch schon auf.

Nach zwei Monaten ein neues Kabinett

Der neue Innenminister Luis Barranzela ist der persönliche Anwalt des Kommunistenführers Cerrón. Vladimir Cerrón, Generalsekretär und starker Mann der Partei “Peru libre” , wurde zehn Jahre für seine Aufgaben in Kuba ausgebildet. Er muss sich vor Gericht wegen Geldwäsche und Erpressung verteidigen. Seine von ihm gegründete Mafia “Los Dinamicos del Centro” haben mit ihren dunklen Machenschaften ganz wesentlich zur Finanzierung des Wahlkampfes beigetragen. Interessant. War es nicht der Anspruch dieser politischen Gruppierung ein für allemal die Korruption im Lande zu beseitigen? Aber leider wurde der Bock zum Gärtner gemacht.

Das muss man sich mal in aller Ruhe vergegenwärtigen. Der eigene Verteidiger im Strafprozess wird nun Innenminister Perus. Alles sehr gut eingefädelt. Also die nächste Auseinandersetzung mit dem Parlament ist vorprogrammiert.

Hinzu kommt, dass die Regierungspartei “Peru libre” (Kommunisten) mit der Auswahl der Minister nicht einverstanden ist. Fast alle ihrer Abgeordneten distanzierten sich gestern Abend vom eigenen Präsidenten (Castillo). Sie ärgern sich besonders über die Ablösung des Arbeitsministers Iber Maraví. Der frühere Terrorist der Terrororganisation “Der leuchtende Pfad” hatte sich bis zum Schluss geweigert zurückzutreten. In dieser Woche wäre er wohl von der Mehrheit des Kongresses in die Wüste geschickt worden. Dieser Schlappe kam der Staatspräsident durch eine Regierungsumbildung zuvor.

Peru ist keine kleine Karibikinsel, sondern der drittgrößte Flächenstaat Südamerikas. Hoffen wir, dass es in fünf Jahren noch freie Wahlen geben wird. Sicher ist das keineswegs.

Man muss sich wirklich wundern, dass bei so viel Instabilität, Unordnung, Rechtsbeugung und Korruption das Land noch halbwegs funktioniert. Also das Beste sind heute die geschenkten Plätzchen. Das ist klar. Allerdings steht aufgedruckt, sie enthielten eine Menge Zucker und die Experten würden mir vor ihrem übermäßigen Genuss abraten. /KDJ

Die Zeitungsverkäuferin in der Bude wird heute sicherlich alle Zeitungen loswerden. Rechs liest ein Mann im Gehen, während er seinen Hund (nicht sichtbar) Gassi führt.
Erste Sitzung mit dem ausgetauschten Ministerrat. In Bildmitte Staatspräsident Pedro Castillo. Links neben ihm sitzt die neue Premierministerin Mirtha Vásquez.