Beten aus Angst und Sorge

Schon am Sonntag hatten sie den Eingangsbereich zum Spital belagert. Scharen von Patienten von weither hofften auf ein Ticket um am Montag behandelt zu werden. Aber es gab für sie nur schlechte Nachrichten. Für die vielen Hilfesuchenden, die auf eine internistische bzw. paediatrische Untersuchung warteten, würden nur Dr. Oliver Engelhard und Dr. Martina John zur Verfügung stehen.

Bis in die Nacht klopften Familien an unsere Haustür im Ort. Vielleicht könnte ich als Direktor ein kleines Wunder tun und sie doch noch auf die Liste setzen. Aber dreimal mußte ich abwinken.

Montagmorgen: Gut 200 Menschen stehen vor der Tür. Die Hälfte von ihnen hat die ganze Nacht vor den Toren ausgeharrt. Sie hoffen und hoffen und hoffen. Vielleicht kommen sie ja doch an die Reihe. Um die 60 Patienten dürfen mit ihren Angehörigen das Krankenhausgelände betreten. Für sie hat sich die stundenlange Anreise und das nächtliche Warten gelohnt.

Gegen 10 Uhr trete ich nach draußen um eine traurige Mitteilung zu machen. Außer den Patienten im Wartesaal drinnen kann leider niemand mehr gesehen werden. Einige Namen werden nun für den Dienstag, Mittwoch und Donnerstag notiert.  

Kurz vor 19 Uhr überrede ich meine Frau endlich mit mir das Krankhaus zu verlassen. Sie hatte Nachtdienst, aber außer 30 Minuten zu Hause um für die Kinder das Mittagessen vorzubereiten, hat sie wieder einmal pausenlos gearbeitet.

Um 19 Uhr bin ich wieder im Spital, denn an jedem Montagabend beten wir in einer kleinen Runde um den Segen Gottes für die Arbeit von Diospi Suyana. Heute sind es vier Quechuas, die mit mir auf die Kniee gehen. Ich erzähle von unserem akuten Ärztenotstand.

Nun wird gebetet mit einer unglaublichen Inbrunst mit Gefühl und Leidenschaft. Einer der Männer beginnt sogar zu weinen. Und alle flehen zu Gott, dass er mehr Missionsärzte nach Curahuasi schicken möge – Frauen und Männer mit der Bereitschaft ihre besten Jahre für die Berglandindianer zu investieren. 

Was meinen Sie, wird Gott auf diese Gebete antworten? /KDJ