Alle brauchen Liebe, die einen nicht im Stich lässt

Freitag 9 Uhr: Die Morgenandacht neigt sich dem Ende entgegen. Da fährt ein Taxi vor den Eingang und mehrere Quechua-Indianer steigen aus. Drinnen auf dem Vordersitz erkennt man einen bewegungslosen Patienten.

Die Verwandten erzählen Dr. Martina John, was passiert ist: Am letzten Montag wurde der junge Mann Opfer eines frontalen Zusammenstosses auf einer Bergstraße. Der Wagen des Patienten überschlug sich, stürzte aber nicht in die Tiefe. Es folgte die Aufnahme in ein privates Krankenhaus in Cusco. Diese Klinik hat eine klare gewinnorientierte Ausrichtung. Nach einigen Tagen konnte die Familie des Verletzten die Rechung nicht mehr bezahlen. In ihrer Notlage brachten sie ihren Angehörigen zum Hospital Diospi Suyana. Fahrzeit drei Stunden.

Unter Anweisung der Missionsärztin erhielt der Patient in kürzester Zeit alle notwendigen Untersuchungen, wie Ultraschall- und Röntgenbilder. Nach Verabreichung eines starken Schmerzmittels konnte der Kranke zum ersten Mal wieder richtig tief durchatmen. Die Rechnung für die Behandlung des Unfallopfers war so niedrig, dass die Familie eine Botschaft sofort verstand: Diospi Suyana möchte kein Geld verdienen, sondern schnell und liebevoll helfen!

Genau in dem Moment, als der Wagen mit dem Patienten vor der Tür des Spitals zum Stillstand kam, sangen in der Krankenhauskirche 200 Menschen das letzte Lied des Morgengottesdienstes. Die erste Strophe lautete:

"Alle brauchen Liebe, die einen nicht im Stich lässt

Deine (Gottes) Gnade und Barmherzigkeit

Alle brauchen Vergebung und Hoffnung,

von einem Gott, der retten kann!"

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