Abschlussabend wird (fast) Opfer eines Unwetters

Ein Starkregen über Curahuasi

Eine Großveranstaltung von Diospi Suyana auf dem Plaza de Armas. Die Wolken werden immer dunkler. Doch das Outdoor-Happening kann gerade noch zu Ende geführt werden. Dann die ersten Tropfen. Plötzlich bricht ein Unwetter los und der Starkregen hält 35 Minuten an. Zehntausende Kubikmeter Wasser ergießen sich über Curahuasi, das Amphitheater und die Zeltstadt. Es ist eine Sache von Minuten und auf dem schweren neuen Zeltdach bilden sich tiefe Taschen. Werden die Zeltplanen reißen? Bald steht die Fläche vor der Bühne unter Wasser. Die Geräte werden blitzschnell abgedeckt und zwei Pumpen laufen im Dauereinsatz. Die erste läuft bald heiß und gibt ihren Geist auf. Die zweite wird durch Dreck verstopft und die Techniker müssen das Aggregat auseinandernehmen.

Trotz des Sturms klettern an mehreren Stellen Arbeiter in die Höhe. Mit Schläuchen und wird das Wasser abgesaugt. Der Regen hält an. Produzent Tito Rojas und David Chavez, Chef der Technik, blicken besorgt drein. „Wenn wir jetzt den Strom hochfahren, könnte durch die Feuchtigkeit das gesamte Amphitheater elektrisiert werden.

Gegen 18:20 Uhr stehen wir in einer Gruppe von Mitarbeitern zusammen. Es zeichnet sich das Aus für den Abend ab. Was für ein deprimierender Abschluss eines großartigen Festivals. „Wir müssen es einfach versuchen!“ – Im Amphitheater haben sich mittlerweile gut 1.500 Jugendliche versammelt. Viele von ihnen sind durchnässt. Sie werden Zeugen eines Schauspiels, dass sie so wohl noch nie gesehen haben. Der Regen prasselt erbarmungslos. Die Donner dröhnen. Der Boden vor der Bühne steht unter Wasser und eine Kompanie von Freiwilligen pumpt und schiebt die Wassermassen vor sich her diversen Abflüssen entgegen.

Ruben Bereswill hat seine Jacke ausgezogen und arbeitet fieberhaft an Pumpen und Schläuchen. Urologe Benjamin Zeier läuft barfuss durch das Amphitheater und koordiniert den Katastropheneinsatz. Das städtische Stromnetz fällt aus und einer unserer Generatoren springt an. Sein tiefes Brummen wirkt in diesem Durcheinander fast beruhigend.

Ich melde mich auf der Bühne zu Wort. Meine Zunge klebt mir irgendwie am Gaumen. Die Technik bleibt ausgeschaltet, aber über einen kleinen batteriebetriebenen Lautsprecher bleibe ich für die meisten hörbar. „Wir wissen nicht, ob das Abendprogramm stattfinden kann. Lasst uns Gruppen von 5 – 10 Personen bilden und beten, dass der Regen aufhört!“ Die Jugendlichen stellen sich in Kreisen auf und beten. Oben im Medienzentrum tun die Mitarbeiter das Gleiche. Auch das Seelsorgeteam versammelt sich in seinen Zelten und faltet die Hände. Beten nicht aus Gewohnheit, sondern aus großer Not.

Mein Handy klingelt. Die Techniker melden, dass sie elektrische Messungen durchführen müssen um die Sicherheit des Publikums zu garantieren. Während ich über das Gelände haste, bete ich laut vor mich hin. „Gott, warum?“

Einige Minuten später hört der Regen auf. Die Säuberungsaktionen gehen weiter. Ich rede mit den Muskgruppe Ayrton Day und Funky. Die Musiker verstehen, dass wir uns in einer Ausnahmesituation befinden. Entscheidungen müssen im Minutentakt getroffen werden. Der Ausgang bleibt ungewiss.

Dann kehrt am Himmel Stille ein. Im Amphitheater fährt die Crew die Anlagen hoch. Ayrton Day betritt mit seinen Musikern die Bühne. Trotz des Wolkenbruchs kommen tatsächlich einige Curahuasinos zum großen Halbrund. Die Technik scheint zu funktionieren. Keine Kurzschlüsse. Viele Einstellungen müssen aber neu kalibriert werden.

Was für ein Abend. Der Höhepunkt des Festivals. Als Funky auf der Bühne rockt, singen unzählige Jugendliche aus vollem Hals mit. Durch das Springen und Hüpfen wird allen wieder warm. Und die rund 4000 im Auditorium sind völlig von den Socken.

Der letzte Ton und das letzte Foto. Die Missionsärzte John und Karina Pereyra ergreifen die Mikrophone. Dr. Klaus John spricht aus, was viele denken: „Um halb sieben haben wir alle gebetet, dass Gott den Abend retten möge. Er hat es getan. Dafür ehren wir Gott!“ – Seine Frau fährt gleich fort: „Wir haben einen großen Gott. Kommt alle im nächsten Jahr zum 5. Festival wieder!“ Karina Pereyra spricht das Abschlussgebet. Es kommt aus tiefsten Herzen. Jeder spürt das instinktiv.
Luz en los Andes wird für alle unvergesslich bleiben. Konzerte vom Feinsten, Workshops vom Besten und zwei Gewitter, die uns an den Rand unserer Kräfte gebracht haben.

Um Mitternacht fahren die meisten Busse los und brechen in alle Himmelsrichtungen auf. Was für ein Drama in Curahuasi. Und welch gigantische mediale Chance für unsere Mission! Noch nie hatte ein Festival von Diospi Suyana eine solche Breitenwirkung. 4,362 Millionen Aufrufe in den sozialen Medien sprechen eine klare Sprache. Hinzu kommt die live-Ausstrahlung über unsere 12 Radiotürme in fünf Bundesstaaten. Unser Büro registrierte 4.515 bezahlte Anmeldungen. Die Gäste kamen aus allen Bundesstaaten und aus anderen Ländern.

Luz en los Andes – Licht in den Anden. Der Ausdruck blieb kein Schlagwort. Der Glaube an Jesus Christus fand bei Millionen offene Ohren. Das Festival wird ohne Zweifel als eines der wichtigsten Events im Jahr 2026 in die Geschichte Perus eingehen. Soli Deo Gloria!/KDJ

Über dem Amphitheater tobt das Gewitter. Große Wasseransammlungen über dem Zeltdach

Benjamin Zeier (ohne Schuhe) auf dem Weg ins Schwimmbad

Einige hundert verfrorene Gestalten versammeln sich im Amphitheater. Der Abend steht auf der Kippe.
Das letzte Konzert von Funky wurde zum Höhepunkt des Festivals.

Das Video zum 3. Festivaltag. Achten Sie auf die Szene mit den Handys. Der Notstromgenerator wurde am 3. Tag in der Pause eingeschaltet und es wurde für einige Sekunden dunkel auf dem Gelände. Das Gewitter tobt. Sie hören den Donner und sehen den Blitz im Hintergrund.

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